Hoffnungsschimmer im US-Schuldenstreit

Nach Gesprächen mit Präsident Obama haben die beiden wichtigsten Republikaner Hoffnung auf einen Kompromiss im Schuldenstreit. Die Fraktionsführer in Senat und Repräsentatenhaus, McConnel und Boehner, zeigten sich optimistisch. Und auch die Demokraten präsentierten sich hoffnungsvoller als in den vergangenen Tagen und Stunden.

Von Sabrina Fritz, SWR-Hörfunkkorrespondentin Washington

Mitch McConnell
Senator Mitch McConnell hat Zuversicht, noch eine Einigung zu erreichen.

Im US-Kongress herrscht hektische Betriebsamkeit. Der Präsident spricht mit führenden Demokraten, der Präsident telefoniert mit führenden Republikanern, hinter verschlossenen Türen werden B-, C-  und D-Pläne entworfen – falls es keine Einigung gibt. Es gibt Abstimmungen, Pressekonferenzen, Dementis: Das Feuer ist ausgebrochen und alle suchen den Feuerlöscher, diesen Eindruck macht die amerikanische Politik an diesem Wochenende.

Eine Lösung im Interesse des amerikanischen Volks?

Optimistisch geben sich Republikaner und Demokraten. Die beiden führenden Republikaner, John Boehner und Mitch McConnell, erklärten, sie seien sehr zuversichtlich, dass es bald zu einer Lösung komme. McConnell, der Führer der Republikaner im Senat sagte nach einem Gespräch mit Präsident Obama, dass es bald eine Lösung im Interesse des amerikanischen Volkes geben könne.

Positiv wie seit langem nicht mehr

Auch der demokratische Fraktionschef im Senat, Harry Reid, klingt positiver als in den vergangenen Tagen und Stunden: Demokraten und Republikaner hätten in vielen Fragen Einigkeit erreicht. „Aber es ist noch eine Strecke zurückzulegen“, fügte er hinzu. Man brauche Zeit. „Ich bin zuversichtlich, dass eine langfristige Lösung gefunden werden kann“, so Reid. Senator Richard Durbin, hinter Reid die Nummer zwei der Demokraten im Senat sagte, er sei so positiv gestimmt „wie seit langem nicht mehr“.

US-Präsident Obama
Muss die Schuldengrenze erhöhen: US-Präsident Obama.

Und Obama? Er schweigt – noch. Wenn der Präsident das nächste Mal in der Öffentlichkeit spricht, muss er eigentlich Fakten verkünden. Die Amerikaner wollen keine Appelle mehr hören. Die Meisten sind aus diesem Politiktheater ohnehin schon längst ausgestiegen. Sie haben den Überblick verloren, welcher Plan nun von wem abgelehnt wurde und warum.

Die Bürger machen sich Sorgen um ihre Einkommen

Sie haben ganz andere Sorgen:  Ob sie nächste Woche ihren Scheck vom Staat bekommen und sich etwas zu essen kaufen können. Das interessiert die mit wenig Geld, ob ihre Aktienkurse am Dienstag einbrechen, das interessiert die mit viel Geld.

Die Soldaten in Afghanistan machen sich Sorgen, ob sie ihr Geld nächste Woche bekommen, wie er das denn zulassen könne, wurde der Republikaner Boehner gefragt. Seine Antwort wird die Soldaten  nicht wirklich beruhigt haben: „Wir sind zuversichtlich, dass es eine Lösung geben wird“, sagte er.

15.000 Anrufe am Tag und lange Warteschleifen

Was die Menschen von diesen dürren Worten halten, kann Boehner sich anhören, wenn er in sein Büro geht. Dort nehmen seine Mitarbeiter Anrufe und E-Mails entgegen. Präsident Obama hatte die Amerikaner aufgerufen, sie sollen ihre Abgeordneten anrufen und Druck machen, dass es eine Lösung gibt. Die Anrufbeantworter und E-Mail-Fächer quellen seitdem über. Allein bei Boehner rufen am Tag 15.000 Menschen an, schreibt die New York Times. Die Warteschleife dauert 30 Minuten. Eine junge Frau aus Oregon kommt durch und sagt, Boehner solle die Ausgaben kürzen. Andere sind nicht so freundlich. Sie meinen, Washington ist verrückt geworden.

Auch heute wird unter der weißen Kuppel des Kapitols wieder hektische Betriebsamkeit herrschen. „Kommt von der dunklen auf die helle Seite“, hatte Nancy Pelosi von den Demokraten den Republikanern zugerufen. Weißer Rauch steigt aus dem amerikanischen Kongress aber noch nicht auf!

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