Ein Ex-„Pharao“ im Käfig – und live im Staats-TV

Er herrschte fast 30 Jahre, er galt als „Pharao“ – und er wurde im arabischen Frühling aus dem Amt gejagt: Ab heute muss sich Ägyptens Ex-Präsident Mubarak vor Gericht verantworten. Er und seine Mitangeklagten sollen in Käfigen sitzen – und der Prozess wird live übertragen.

Von Peter Steffe, ARD-Hörfunkstudio Kairo

Am 11. Februar verkündete der ehemalige Geheimdienstchef Ägyptens, Omar Suleiman, das Ende der Ära Mubarak: „In diesen schwierigen Umständen, die unser Land durchläuft, hat Präsident Mohammed Hosni Mubarak entschieden, als Präsident der Republik zurückzutreten. Er hat den Obersten Armeerat beauftragt, das Land zu führen.“

Von heute an wird dem Ex-Präsidenten der Prozess gemacht – in Kairo, in einer großen Halle, die zum Gerichtssaal umfunktioniert wurde, auf dem Gelände der Polizeiakademie. Bis Anfang des Jahres trug dieses Ausbildungszentrum der Sicherheitskräfte noch den Namen des Präsidenten. In der Halle haben 600 Prozessbeobachter Platz.

Hosni Mubarak (Archivbild vom September 2010)
Muss sich ab heute vor Gericht verantworten: Hosni Mubarak (Archivbild vom September 2010)

Das staatliche Fernsehen überträgt live

„Die Verwandten der Angeklagten, Angehörige der Opfer und die Presse dürfen dabei sein. Hier allerdings nur akkreditierte ägyptische und ausländische Medienvertreter, die entsprechend zugelassen wurden“, erklärt der Vorsitzende Richter Ahmad Rifaat, der einen durchgehenden Prozess verspricht. Es solle bis zum Urteil jeden Tag verhandelt werden. Das staatliche Fernsehen überträgt live – wegen der angestrebten Transparenz des Verfahrens.

Dossier

Das Volk stürzt den „Pharao“
Mit Massenprotesten im ganzen Land hat das ägyptische Volk Präsident Mubarak zum Rücktritt gezwungen. Erste Proteste von jungen Regierungsgegnern mündeten in eine Volksbewegung, die nach 18 Tagen die fast 30 Jahre lange Herrschaft Mubaraks beendete. tagesschau.de hat Hintergründe und Porträts zusammengestellt.

Die Angeklagten, unter ihnen Mubarak und seine beiden Söhne, werden das Geschehen in eigens angefertigten Käfigen verfolgen. Die spannende Frage: wird der 83-jährige Ex-Präsident erscheinen? Der aktuelle Innenminister Ägyptens hat Mubaraks Kommen jedenfalls angeordnet: Aus medizinischer Sicht gebe es keinen Grund, nicht an dem Prozess teilzunehmen. Genau das hatte Mubaraks Anwalt in den vergangenen Wochen versucht zu verhindern. Der Gesundheitszustand ließe eine Anwesenheit Mubaraks nicht zu. Im ägyptischen Badeort Scharm al Scheich war Mubarak zuletzt in einem Krankenhaus behandelt worden.

„Ich erwarte, dass Mubarak hingerichtet wird“

Der Prozess gegen den Ex-Präsidenten wegen Korruption, Bereicherung und des gewaltsamen Todes von 846 Demonstranten ist das Thema auf Kairos Straßen – mit höchst unterschiedlichen Erwartungen: Während einige glauben, dass der Prozess „so lange verschoben wird, bis Mubarak stirbt“ erklärt ein anderer Passant: „Ich erwarte, dass Mubarak hingerichtet wird.“

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