Ergo will aus den Schlagzeilen

Logo der Ergo-Versicherungsgruppe
Der Versicherungskonzern will bei der Aufklärung helfen und Kunden entschädigen.

Die Ergo-Versicherungsgruppe will ihr angeschlagenes Image wieder aufpolieren. Mit Transparenz und strengeren Verhaltensregeln für ihre Berater will das Unternehmen auf die Skandale der vergangenen Wochen reagieren. Ein Kodex solle künftig selbstständige Vertreter zu „integrem Verhalten“ verpflichten, sagte Ergo-Vorstandschef Torsten Oletzky. Konkreter wurde er jedoch nicht. Er räumte aber ein, dass „wesentliche Vorwürfe berechtigt waren“.

Hinter den Affären sieht Oletzky ehemalige Vertreter, mit denen um finanzielle Ansprüche gestritten werde. Alles habe am 20. April mit einer Zeitungsanzeige der Ex-Vermittler begonnen, sagte er. Oletzky schloss nicht aus, dass weitere Vorwürfe folgen. So gebe es Gerüchte, dass für die betriebliche Altersvorsorge „Landschaftspflege“ – also Einflussversuche – bei Betriebsräten und Personalabteilungen betrieben worden sei. Bislang gebe es dafür aber keinen ausreichend konkreten Anhaltspunkt.

Strafanzeige wegen versuchter Erpressung

Ergo erstatte Strafanzeige wegen versuchter Erpressung. Die Düsseldorfer Staatsanwaltschaft hat aber noch nicht entschieden, ob sie ein Ermittlungsverfahren einleitet. „Unberechtigte Ansprüche werden wir nicht erfüllen, auch wenn jemand dann zur Presse geht“, sagte Oletzky. Inzwischen habe man aber sämtliche Vorwürfe mit internen und externen Prüfern penibel untersucht. Zudem habe die Finanzaufsicht BaFin eine Prüfung für die kommende Woche angekündigt.

Die Vertriebsorganisation HMI der Ergo-Tochter Hamburg Mannheimer hatte im Juni 2007 in Budapest auf Unternehmenskosten eine Party mit Prostituierten für die erfolgreichsten Versicherungsvertreter gegeben. Beteiligt waren zwei leitende Angestellte und 64 selbstständige Vermittler. Oletzky nannte die Sex-Party für Top-Vertreter in Budapest erneut inakzeptabel. „Das ist den Organisatoren auch bewusst gewesen, denn sie haben sich alle Mühe gegeben, keine Spuren zu hinterlassen“, so der Vorstandschef. Nach bisherigen Erkenntnissen sei es aber ein „Einzelfall“ gewesen.

Der Versicherer war auch mit fragwürdigen Beratungspraktiken bei Unfallversicherungen und falsch ausgewiesenen Kosten bei Riester-Policen in die Kritik geraten. Bei 12.000 fehlerhaften Riester-Verträgen habe es sich um eine „Panne im Kleingedruckten“ gehandelt, nicht um eine vorsätzliche Täuschung, sagte Oletzky. „Das eigentlich Kritische dabei ist, dass der Fehler nicht ausreichend korrigiert wurde“, als er bereits 2005 aufgefallen sei. Bei der provisionsträchtigen Umwandlung von Lebens- in Unfallversicherungen habe der Vertriebsvorstand der zur Ergo gehörenden Victoria bereits 2009 die Vertreter mehrfach schriftlich aufgefordert, dies zu unterlassen. Dennoch sei es zu solchen Abschlüssen gekommen. Den Kunden werde nun eine Rückabwicklung angeboten.

500 Kunden stornierten ihre Verträge

Das Kunden-Feedback auf die Affären und Vorwürfe sei „extrem kritisch“, räumte Oletzky ein. Eine größere Zahl von Kundenaustritten habe es aber nicht gegeben, sagte Finanzchef Christoph Jurecka. Rund 500 Kunden hätten ihre Verträge storniert. „Bei 20 Millionen Kunden ist das eine überschaubare Zahl.“

Die Ergo-Versicherungsgruppe ist eine Tochter des Branchenriesen und Rückversicherers Munich Re. Zur Düsseldorfer Gruppe gehören auch die Spezialisten DKV (Krankenversicherung), D.A.S. (Rechtsschutzversicherung) und ERV (Reiseversicherung). Die Beitragseinnahmen stiegen 2010 um 5,7 Prozent auf gut 20 Milliarden Euro. Der Gewinn wurde auf 355 Millionen Euro verdoppelt.

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