Bessere Bahn statt stinkender Bummelbusse

Von Axel Weiß, SWR-Umweltredaktion

Aus ökologischer Sicht wünsche ich mir für den innerdeutschen Fernverkehr eine gut ausgebaute, gut ausgelastete Bahn. Pünktlich, zügig und erschwinglich. Wer die Schweizer Bahn kennt, weiß was ich meine.

Aber was werde ich stattdessen bekommen? Bahn frei für Fernbusse.

Ja, werden Sie sagen: Das ist doch auch gut so. Freie Fahrt für freie Bürger. Ein schöner Zug unserer schwarz-liberalen Bundesregierung, bereits festgeschrieben – damals im Koalitionsvertrag. Und ist nicht sogar der Bus das Verkehrsmittel mit dem geringsten CO2-Ausstoß pro Kopf? Wenn’s denn so einfach wäre.

Legenden von freier Fahrt und Umweltverträglichkeit

Die Wahrheit über die Legende von der freien Fahrt meldet täglich der Verkehrsfunk. Eine Fahrt vom Stadtzentrum Berlin ins Zentrum von Frankfurt am Main dauert mit dem Bus mehr als neun Stunden – mit der Bahn dagegen nur die Hälfte.

Aber das Kohlendioxid! Ja, da gab’s mal Zahlen von 2005, die die Buslobby gern zitiert. Die gelten aber nur für Reisebusse, nicht für Linienbusse. Für die Strecke Frankfurt – Berlin heißt das: Der Reisebus stößt 19 Kilogramm CO2 pro Passagier aus, die Bahn pro Kopf 26 Kilogramm – ein knappes Drittel mehr. Was macht den Unterschied? Die Auslastung, die ist bei Reisebussen nämlich derzeit deutlich höher als bei der Bahn. Für Linienbusse gilt das nicht, die schneiden deutlich schlechter ab als der Zug, vor allem wegen einer noch geringeren Auslastung.

Was heißt das? Für mich ist die Konsequenz klar: Statt den Zugverkehr durch Konkurrenz zu schwächen, müssen wir ihn besser auslasten sowie attraktiver und preisgünstiger machen. Die von Verkehrsminister Ramsauer bei der Vorstellung des Kabinettsbeschlusses zitierten jungen Leute sollen bitte auf Fernstrecken Bahn fahren können, nicht Bus. Bahnsparpreise und Buspreise liegen so weit auseinander nicht, da geht noch was. Vorausgesetzt man wollte.

Damit wir uns nicht missverstehen: Ich rede von Zügen, nicht von Bahnbussen. Die sollen sich gern der Konkurrenz stellen müssen. Aber ausgerechnet der Regionalbusverkehr bis 50 Kilometer soll bei den jetzigen Änderungen weitgehend außen vor bleiben.

Keine Republik der zwölfspurigen Autobahnen

Wenn wir keine Republik der zwölfspurigen Autobahnen wollen, müssen wir am Massenverkehrsmittel Zug festhalten. Und dann macht es ökologisch Sinn, die Züge besser auszulasten und damit effektiver zu machen. Nur zur Erinnerung: Mehr Busverkehr, das heißt mehr Straßenverkehr, Lärm. Luftverschmutzung. Und Flächenverbrauch durch neue Busbahnhöfe. Da freut sich jeweils kurzfristig die lokale Baubranche, aber sonst niemand.

Ein volkswirtschaftlich teurer Spaß ist es zudem, denn die überstrapazierten Straßen werden durch mehr schwere Busse noch schneller kaputt gehen als ohnehin. Machen wir uns nichts vor: Die neuen Kunden der Buslinien werden Leute sein, die wenig Geld haben. Statt günstig Bahn fahren zu können, werden sie in Bummelbussen die Autobahnen verstopfen. Und unsere Bundesregierung gibt das noch als liberalen Fortschritt aus. Na, danke!

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