Geißler ist als Schlichter nicht mehr zu gebrauchen

Von Frank Wahlig, SR, ARD-Hauptstadtstudio

Er weiß sehr wohl, was er da sagt. Er weiß genau, was er da meint. Er weiß sehr wohl, wen er da zitiert. Mit der Fascho-Keule konnte Geißler immer schon umgehen. Florett war nie seine Sache. Die Keule kommt gern aus dem Fundus des deutschen Faschismus.

Totaler Krieg, Goebbels, Verachtung aller Regeln, Tod, erschlagen, in Rauch aufgehen. Stichworte nur. Aber der geschichtliche Grund dieses „Totalen Krieg“-Zitats ist monströs. Der Schlichter Heiner Geißler hat keinen Beifall, schon gar nicht von den Grünen, verdient.

Als Geißler noch in Bonn Helmut Kohls CDU-General gab und eine nationale Bühne hatte, da  schob er dem Pazifismus der 1930er-Jahre, also der SPD, die Schuld am Faschismus zu. Die SPD schäumte und Geißler verhielt sich genauso wie heute, wo er mit dem „Totalen Krieg“ kokettiert. „Hab ich doch gar nicht gesagt, und wenn, nicht so gemeint und wenn doch, dann werde ich falsch verstanden.“ Und überhaupt: „Soll ich mich aufregen über die Empörung der anderen?“ Ein Geißler steht über den Bösartigkeiten, den Dummheiten, die er verzapft.

In Bonn genoss er den Schutz seines Herren und konnte zusehen, wie die Opposition sich an ihm abarbeitete. Die Unschuld aus der Pfalz. Als Sympathisanten des Terrors der RAF machte Geißler den Theologen Gollwitzer, den Philosophen Marcuse und den Liberalen Maihofer aus, das war 1977. Die SPD erklärte Geißler, der mittlerweile zum Schlichter gewordene Heiner Geißler, zu der fünften Kolonne der Anderen. Die Anderen saßen im Osten und waren Kommunisten.

Als aktiver Politiker war er nie zimperlich. Was für Andere Tabu war, in der Mottenkiste des Faschismus zu wühlen, für ihn war es kein Tabu. Geißler arbeitete mit dem größten Garstigkeitsfaktor.

Heiner Geißler ist alt geworden – ein alter Mann, der einmal zum garstigsten gehörte, was die politische Republik hervorgebracht hatte. Willy Brandt litt regelrecht unter den Attacken. Brandt bezeichnete Geißler als den größten Hetzer seit Goebbels. Goebbels – das war eben der mit dem „Totalen Krieg“. Goebbels, das war der, der Heiner Geißler das letzte Stichwort gegeben hat zu Stuttgart 21.

Um es kurz zu machen: Auch wenn Geißler ein älterer Mann ist, auch wenn er es genießt im Rampenlicht zu sein – Anleihen an Goebbels sind nicht akzeptabel.  Er ist als Schlichter, für was auch immer, nicht mehr zu gebrauchen – ihm seien das Altenteil und lange Spaziergänge irgendwo hin gegönnt. Weit weg von jedem Scheinwerfer und jedem Mikrofon.

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