Rückschlag im Kampf gegen die Taliban

Seit Wochen versuchen die USA, Erfolgsbotschaften im Kampf gegen die Taliban in Afghanistan zu verbreiten. Der folgenschwere Absturz eines Hubschraubers stört dieses Bild. 31 US-Soldaten sind vermutlich ums Leben gekommen. Die Taliban sprechen von einem Abschuss.

Von Jürgen Webermann, ARD-Hörfunkstudio Neu-Delhi

Der große Transporthubschrauber vom Typ Chinook stürzte mitten in einer Kampfzone ab. In der Region Wardak, unweit der Hauptstadt Kabul, hatten Spezialeinheiten der US-Armee und afghanische Soldaten Taliban-Kämpfer angegriffen. Stundenlang hatte dem Vernehmen nach das Gefecht gedauert, der Chinook hatte frische Männer gebracht und erschöpfte Soldaten zurück in ihre Basen bringen sollen.

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  • Afghanistan: 31 Tote bei Absturz eines NATO-Hubschraubers
  • Länge: 0:01:24
  • Datum: 2011-08-06T20:14:00.000+02:00

Ob er beim Start oder bei der vorherigen Landung abgestürzt ist, ist bisher noch nicht klar. Der Hubschrauber war allerdings voll besetzt, das bestätigte ein Sprecher des afghanischen Verteidigungsministeriums: „Der Helikopter ist während einer gemeinsamen Operation in der vergangenen Nacht abgestürzt. Unter den Opfern sind sieben Männer eines Spezialkommandos der afghanischen Armee und die anderen 31 Soldaten gehörten zu den internationalen Einheiten ISAF. Wir drücken der ISAF und den Angehörigen der Toten unser Mitgefühl aus.“

Gründe des Absturzes noch unbekannt

Offen ließ aber auch das Verteidigungsministerium, warum der Chinook abgestürzt ist. Normalerweise haben die behäbigen Transporter einen effektiven Begleitschutz von kleinen Kampfhubschraubern. Während die ISAF bisher offiziell keinen Kommentar abgeben wollte, behaupten die Taliban, sie hätten den Hubschrauber mit einer Rakete abgeschossen. Augenzeugen und ein Sprecher der lokalen Behörden äußerten sich ähnlich, auch US-Offizielle sprechen inzwischen von einem Abschuss. Derzeit seien Einheiten unterwegs, um das Wrack und die Opfer zu bergen, so der Sprecher des afghanischen Verteidigungsministeriums: „Der Vorfall wird derzeit untersucht. Aber weil es sich um einen ISAF-Hubschrauber handelt, wird auch nur die ISAF dazu etwas sagen können.“

Karte: Afghanistan mit Provinz Wardak

Schwerer Rückschlag für Abzugspläne

Die Meldung über die Kämpfe und den Absturz trifft die ISAF und die US-Armee zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Die amerikanischen Einheiten wollen schrittweise abziehen und die Verantwortung für die Sicherheit den afghanischen Behörden übertragen. Offiziell haben die US-Generäle und auch der amerikanische Botschafter Crocker in den vergangenen Wochen immer wieder betont, sie seien optimistisch, dass die Taliban auf dem Rückzug seien: „Ich würde sagen, wir haben die Taliban so weit schwächen können, dass sie keine großen Operationen mehr durchführen können.“

Allerdings vergeht kein Tag ohne Meldungen über Kämpfe, zudem haben die Taliban in den vergangenen Monaten zahlreiche prominente Politiker und Polizeichefs ermordet. Die Zahl der zivilen Opfer ist in Afghanistan in diesem Jahr nach Angaben der Vereinten Nationen drastisch angestiegen – auf beinahe 1500. Der jüngste Absturz heute dürfte die US-Regierung weiter in Erklärungsnot bringen. Denn dabei handelt es sich um einen der schlimmsten Verluste seit Beginn des Afghanistan-Krieges vor rund zehn Jahren.

Original, Google Cache, archive.org

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