China rüttelt an der Leitwährung

So scharf und deutlich war die Kritik aus China selten zuvor: Nach der Herabstufung der Kreditwürdigkeit der USA durch die Ratingagentur Standard & Poor’s erhöht die Regierung in Peking den Druck auf die größte Volkswirtschaft der Welt.

Als größter Gläubiger der einzigen Weltmacht habe China „jetzt alles Recht, von den USA zu fordern, dass diese ihr strukturelles Schuldenproblem in den Griff bekommen und die Sicherheit von Chinas Dollar-Vermögen sicherstellen“, hieß es in einem Kommentar der staatlichen Nachrichtenagentur Xinhua. Die USA müssten ihre „Schuldensucht heilen“, indem sie die Militär- und Sozialausgaben kürzten. Sonst sei die jetzige Herabstufung nur der „Auftakt“ zu noch „verheerenderen“ Bonitätsnoten. Xinhua ist das Sprachrohr der Pekinger Führung.

Plädoyer für neue weltweite Reservewährung

Die Rolle des US-Dollars müsse international überprüft werden, hieß es in dem Kommentar weiter. Eine Option sei eine neue stabile weltweite Reservewährung. Dadurch könne sichergestellt werden, dass nicht ein einziges Land eine Katastrophe auslöse. China hatte kurz vor dem Weltfinanzgipfel in London im Frühjahr 2009 bereits eine Alternative zum Dollar als Leitwährung gefordert – vor allem mit Blick auf die Wechselkurse.

US-Dollar und chinesische Yuan
China kauft seit Jahren Dollar auf, um Wertsteigerungen der eigenen Währung Yuan entgegenzuwirken.

Den Streit um die Schuldenobergrenze hatten die Chinesen in den vergangenen Wochen bereits kritisch verfolgt. Die Staatsmedien hielten sich mit negativen Kommentaren nicht zurück. Auch für die Einigung in Washington gab es kein Lob, im Gegenteil. Xinhua warnte, dass es trotz der Anstrengungen zur Anhebung der US-Schuldengrenze nicht gelungen sei, Washingtons „Schuldenbombe“ zu entschärfen. Die chinesische Ratingagentur Dagong, deren Bewertungssystem von dem der US-Agenturen abweicht, stufte die Bonität der USA von A+ auf A herab.

China ist der größte Gläubiger der USA. Die Volksrepublik hat Devisenreserven von knapp 3,32 Billionen Dollar – Tendenz schnell steigend. Etwa drei Viertel davon sind in US-Dollar angelegt, ein Viertel in Euro.

Vertrauen in den Euro

Und dem Euro vertraut die chinesische Führung offenbar weiterhin – ungeachtet der Schuldenkrise. Während eines Besuches in Polen sagte der chinesische Außenminister Yang Jiechi nach Angaben des Außenamtes in Peking: „China hatte immer Vertrauen in die Euro-Zone und den Euro.“ Sein Land habe seinen Besitz an europäischen Staatsanleihen in den vergangenen Jahren ausgeweitet. Er versprach: „China wird Europa und den Euro in der Zukunft weiterhin unterstützen.“

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