Islamistische Milizen verlassen Mogadischu

Somalischer Regierungssoldat mit AU-Truppen
Dank Unterstützung der AU-Truppen gelang es den Soldaten der Übergangsregierung, die Rebellen in Mogadischu immer weiter zurückzudrängen.

Nach nächtlichen Kämpfen mit Regierungstruppen haben sich die Rebellen der islamistischen Al-Schabaab-Miliz offenbar aus der somalischen Hauptstadt Mogadischu zurückgezogen. „Erstmals seit 20 Jahren haben die Somalier jetzt die goldene Gelegenheit zu sehen, dass ihre Regierung Mogadischu vollständig beherrscht“, erklärte Regierungssprecher Abdirahman Omar Osman. Die Regierungstruppen seien gegen die Islamisten vorgegangen und hätten sie aus der Hauptstadt vertrieben.

Miliz spricht von Taktik

Dagegen erklärte Al-Schabaab-Sprecher Scheich Ali Mohamud Rage: „Wir haben unsere Taktik geändert. Deshalb haben wir uns aus Mogadischu zurückgezogen.“ Im Rundfunksender Radio Koran (IQK) kündigte er eine Verdopplung der Angriffe auf die Regierungstruppen an. „Wir werden ihnen in den kommenden Stunden eine unvergessliche Lehre erteilen.“ Die Miliz, die seit Jahren gegen die schwache somalische Übergangsregierung kämpft, kontrollierte bislang gut die Hälfte Mogadischus, vor allem Gebiete im Nordosten der Hauptstadt.

Im Laufe des Jahres war es Soldaten der afrikanischen Friedenstruppe und der vom Westen unterstützten Regierung gelungen, die Extremisten in der Hauptstadt immer weiter zurückzudrängen. Während des seit vier Jahren andauernden Aufstands der Al Schabaab hat sich deren Miliz noch nie vollständig aus der Hauptstadt zurückgezogen. Zehntausende Menschen kamen in dieser Zeit durch Gewalttaten ums Leben.

Hintergrund

Der gescheiterte Staat am Horn von Afrika
Somalia leidet unter einer Hungersnot. Nur mühsam erreichen die Hilfslieferungen die betroffenen Regionen. Der Grund: Das Land ist in verschiedene Machtzentren gespalten, eine funktionierende Zentralregierung gibt es nicht. tagesschau.de gibt einen Überblick über die politische Situation in dem Land.

Al Schabaab kontrolliert viele Regionen

Seit dem Sturz von Diktator Mohamed Siad Barre vor 20 Jahren hat das Land am Horn von Afrika de facto keine funktionierende Zentralgewalt mehr. Die somalische Regierung beherrscht nur kleine Teile des seit dem Bürgerkrieg von 1991 zerrissenen Landes. Die jetzige Regierung wurde 2009 nach einer Friedensregelung gebildet, die jedoch schnell von der Al Schabaab torpediert wurde. Der Bürgerkrieg erschwert auch die Versorgung der Millionen Hungernden im Land. In der Region herrscht die verheerendste Dürre seit Jahrzehnten. Somalia ist davon am meisten betroffen. Die Al-Shabaab-Miliz kontrolliert in vielen Teilen des Landes den Zugang zur notleidenden Bevölkerung und verwehrt internationalen Hilfsorganisationen den Einsatz.

Die Al Shabaab – zu deutsch „Die Jugend“ – wurde 1998 in Somalia gegründet. Zunächst bekämpfte sie vor allem die damals im Land stationierten äthiopischen Truppen. Doch dann radikalisierte sich die Bewegung mehr und mehr. Hardliner übernahmen die Führung, die stolz darauf sind, Verbindungen zum Terrornetzwerk Al Kaida zu haben.

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