Goldener Sieg – oder der Beginn neuer Gewalt?

Die islamistische Al-Schabaab-Miliz hat sich offenbar aus der somalischen Hauptstadt Mogadischu zurückgezogen. Während die Regierung einen „goldenen Sieg“ für Somalia sieht, spricht die Miliz lediglich von einem taktischen Manöver. Sie kontrolliert weiterhin große Teile des Landes.

Von Antje Diekhans, ARD-Hörfunkstudio Nairobi

Somalischer Regierungssoldat mit AU-Truppen
Dank Unterstützung der AU-Truppen gelang es den Soldaten der Übergangsregierung, die Rebellen in Mogadischu immer weiter zurückzudrängen.

Eine Niederlage – oder nur ein taktischer Rückzug, ein Kräftesammeln vor neuen, verheerenden Angriffen? Was es bedeutet, lässt sich bisher nicht abschätzen, aber Fakt ist: Die radikal-islamische Al Shabaab hat ihre Stellungen in Mogadischu aufgegeben. Lastwagen mit Dutzenden Kämpfern verließen die somalische Hauptstadt. Der Sprecher der Al Shabaab, Ali Mohamud Rage, gab über einen Radiosender, der in der Hand der Islamisten ist, eine Erklärung ab: „In den nächsten Stunden werden unsere Truppen all ihre Positionen verlassen. Wir rufen unsere muslimischen Brüder in der Stadt auf, ihre Häuser zu verteidigen. Verbarrikadiert euch vor den Feinden. Wir werden schon bald zurückschlagen. Und wir halten unsere Stellungen im übrigen Somalia.“

Islamisten behindern weiterhin Hilfslieferungen

Der Süden des Landes ist weiter fest in der Hand der Al Shabaab. Die Islamisten riegeln die Region ab und wollen keine Hilfslieferungen internationaler Organisationen an die hungernde Bevölkerung zulassen. Nur aus Mogadischu haben Regierungstruppen mit Unterstützung von Soldaten der Afrikanischen Union die Miliz jetzt vertrieben. Die Führung spricht von einem „goldenen Sieg“. Zum ersten Mal seit 20 Jahren erlebe die Bevölkerung, dass die Hauptstadt komplett in der Hand ihrer Regierung sei, sagt Ministerpräsident Abdiweli Mohamed Ali: „Alle Viertel sind frei, Al Shabaab hat hier nicht mehr die Kontrolle. Wir danken Gott dafür und wir danken auch unseren Truppen, die das geschafft haben. Aber der Sieg ist nicht komplett, bis wir Al Shabaab im gesamten Land geschlagen haben.“

Lage weiterhin bedrohlich

Hintergrund

Der gescheiterte Staat am Horn von Afrika
Somalia leidet unter einer Hungersnot. Nur mühsam erreichen die Hilfslieferungen die betroffenen Regionen. Der Grund: Das Land ist in verschiedene Machtzentren gespalten, eine funktionierende Zentralregierung gibt es nicht. tagesschau.de gibt einen Überblick über die politische Situation in dem Land.

Aber davon ist die Regierung weit entfernt. Ihre Truppen wären wohl auch mit Unterstützung der etwa 9000 Soldaten der Afrikanischen Union viel zu schwach, um die Al Shabaab auch aus dem Süden Somalias zu vertreiben. Die Miliz formiert sich unterdessen etwas außerhalb von Mogadischu neu – das ist auch dem somalischen Präsidenten Scheich Sharif Ahmed bewusst: „Wir müssen uns auf neue Bedrohungen einstellen. Es kann Selbstmordattentate geben. In vielen Vierteln, aus denen sich die Al Schabaab jetzt zurückgezogen hat, können Landminen liegen. Niemand sollte dort hingehen, denn es ist lebensgefährlich. Wir müssen erst unsere Experten schicken, um die Viertel von Minen zu säubern.“

Die Afrikanische Union befürchtet sogar, dass der Rückzug der Islamisten eine Falle sein könne. Ein Sprecher der Truppen in Mogadischu sagte, die Soldaten müssten jetzt besonders wachsam sein. Die Al Schabaab werde Vergeltung üben – fragt sich nur noch wo und wann.

unknown boxtype: audioflashlist

Original, Google Cache, archive.org

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter tagesschau.de abgelegt und mit verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.