Mit der Taxi-App auf die Kosten kommen

Kann man Taxametern trauen? Nein, sagt eine Prager Software-Firma und hat deshalb die Taxi-App entwickelt. Die Applikation für Handys zeigt den exakten Preis der Taxifahrt an. Die Prager nutzen den Dienst schon fleißig.

Von Stefan Heinlein, ARD-Hörfunkstudio Prag

Ein Taxi in der Prager Innenstadt
Hohe Spritpreise und wenig Touristen: Die Taxis in Prag haben es schwer.

Seit 17 Jahren fährt Lubomir mit seinem Taxi durch Prag. Das Geschäft läuft derzeit nicht besonders gut: Er kämpft mit hohen Spritpreisen und weniger Touristen. Doch Lubomir ist aus einem anderen Grund stinksauer: „Ich habe von diesem Taxi-Handykram gehört. Das macht doch keinen Sinn. Staus und Wartezeiten werden nicht ordentlich eingerechnet“, erregt sich Lubomir. Die Kunden sähen einen anderen Preis auf dem Handy als auf seinem Taxameter. „Sie sind dann verärgert. Das funktioniert doch nicht.“

Falsch, es funktioniere fast auf den Heller genau, sagt Pavel Pola von der Firma Et Netera. Der technische Direktor der Software-Schmiede aus Prag hat entwickelt, worüber Lubomir sich ärgert: die Taxi-App. Seit dem Sommer ist sie auf dem Markt und kann kostenlos heruntergeladen werden.

Keine teuren Roaming-Gebühren

Notwendig ist nur ein Mobiltelefon mit GPS-Technologie. Nicht einmal eine Handy-Karte des Gastlandes ist erforderlich und es fallen auch keine teuren Roaming-Gebühren an. „Sie müssen nur drei Zahlen eingeben: Wie hoch ist der Anfangspreis wenn man in das Taxi einsteigt? Wieviel kostet ein Kilometer? Und wie viel kostet es eine Minute zu warten?“, erklärt der App-Hersteller. „Jeder legale Taxifahrer hat diese Angaben auf einem Schild im Wagen und sie können die Zahlen auch noch während der Fahrt eingeben.“

Der Preis für die direkte Fahrt zwischen Start- und Zielort wird anschließend exakt kalkuliert. Das bedeutet, dass unnötige Umwege nicht akzeptiert werden. Die tatsächlichen Wartezeiten im Berufsverkehr sind dagegen automatisch miteingerechnet.

App funktioniert weltweit

Ein Handynutzer hält sein Smartphone in der Hand
Das ärgert die tschechiechen Taxifahrer: ein Handy mit dem die Taxi-App benutzt werden kann

Die Anwendung funktioniert nicht nur in Prag. Pavel Pola hofft, mit seiner Firma Et Netera auf ein weltweites Geschäft mit der intelligenten App: „Wir haben ein gewaltiges Echo aus allen Teilen der Welt.“ Es gäbe aber natürlich auch Kritik. „Vor allem Taxifahrer beschweren sich, dass die App nicht genauso funktioniert wie ihre Taxameter. Aber die Kunden sind alle zufrieden.“

Der schlechte Ruf der Taxifahrer liegt auch den Prager Stadtvätern seit Jahren schwer im Magen. Dennoch gibt es bisher nur moralische Unterstützung für die App aus dem Rathaus. Die gewünschte Zusammenarbeit kam noch nicht zustande. Lorbeeren gibt es dagegen aus dem Ausland. Die Taxi-App gewann in den USA den renomierten Stevie-Award: eine Auszeichnung von zufriedenen Geschäftskunden.

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