Internationaler Druck auf Syrien wächst

Ban Ki-Moon
UN-Generalsekretär Ban telefonierte persönlich mit Syriens Präsident Assad.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon hat die syrische Regierung zu einem sofortigen Ende der Gewalt aufgefordert. In einem Telefongespräch mit Präsident Assad habe er die große Sorge der Internationalen Gemeinschaft angesichts der steigenden Opferzahlen zum Ausdruck gebracht, heißt es in einem Schreiben der UN.

Zudem habe Ban Assad persönlich aufgefordert, den Einsatz von Militär gegen Zivilisten umgehend einzustellen und internationale Hilfsorganisationen sowie Mitglieder der UN-Menschenrechtskommission ins Land zu lassen.

Es war Bans erstes Telefonat mit Assad seit April, als er schon einmal ein Ende der Gewalt gegen die Demokratiebewegung in Syrien gefordert hatte. In den vergangenen Monaten hatte Assad den UN zufolge weitere Gespräche mit Ban verweigert.

Türkei: „Wir können kein Zuschauer bleiben“

Der türkische Außenminister Davutoglu
Steht vor schwierigen Verhandlungen: der türkische Außenminister Davutoglu

Am kommenden Dienstag wird der türkische Außenminister Ahmet Davutoglu zu Gesprächen mit Assad nach Syrien reisen. Ankara habe angesichts der anhaltenden Gewalt die Geduld mit Damaskus verloren, begründete Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan laut der halbamtlichen Nachrichtenagentur Anadolu die Reise seines Chefdiplomaten.

Die Türkei könne angesichts der Lage in dem Nachbarland kein „Zuschauer“ bleiben, sagte er. Davutoglu werde in Damaskus „unsere Botschaften mit Entschlossenheit“ überbringen. In den vergangenen Monaten waren mehr als zehntausend Syrer vor der Gewalt in das türkische Nachbarland geflüchtet.

Zuvor hatten auch die Golfstaaten erstmals auf die Gewalt in Syrien reagiert und das „exzessive Vorgehen“ der syrischen Führung scharf verurteilt.

Syrischer Oppositionsführer festgenommen

Derweil geht die syrische Regierung weiter massiv militärisch gegen die Demokratiebewegung vor. In den vergangenen Wochen wurden dabei nach Angaben von Menschenrechtsaktivisten mehr als 1600 Zivilisten getötet und mindestens 12.000 Regierungsgegner festgenommen.

Nach Angaben der in London ansässigen syrischen Menschenrechtsorganisation Sawasiah wurde auch der Oppositionsführer des Landes, Walid al Bunni, verhaftet. Bunni, der sich zuletzt versteckt gehalten habe, sei demnach zusammen mit seinen zwei Söhnen nördlich der Hauptstadt Damaskus in Gewahrsam genommen worden. Der prominente Regierungsgegner saß bereits mehrfach im Gefängnis, weil er sich für einen demokratischen Wandel in Syrien eingesetzt hatte. Unter anderem hatte Bunni auch den Abgang von Präsident Baschir al Assad gefordert.

Hintergrund

Der Machtapparat der Familie Assad
Er galt als arabische Lichtgestalt, als Reformer. Doch angesichts der anhaltenden Proteste zeigt Syriens Machthaber Assad sein wahres Gesicht. Mit brutaler Gewalt geht er gegen die Bevölkerung vor. Befürchten muss er wenig, denn die Armee und die Sicherheitskräfte stehen hinter ihm.

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