Noch mehr Panzer gegen noch mehr Demonstranten

Die syrische Armee ist nach Angaben von Menschenrechtlern mit Panzern in die Ölstadt Deir al Sor im Nordosten des Landes eingerückt. Die Panzer seien am frühen Morgen in mehrere Viertel der Stadt am Euphrat eingedrungen, sagte der Chef der syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte, Rami Abdel Rahman. In mindestens drei Vororten werde geschossen. An dem Einsatz waren demnach rund 250 Panzer und Panzerwagen beteiligt.

Die Örtlichen Koordinationskomitees, die die Proteste gegen die syrische Regierung beobachten, erklärten, die Armee sei in neun Viertel der Stadt eingedrungen, die von „sehr heftigen Explosionen“ erschüttert werde.

In Damaskus nahm der Geheimdienst in der Nacht zum Sonntag den Menschenrechtsanwalt Walid al Bunni fest. Von Männern in Zivil sei er zusammen mit seinen beiden Söhnen an einen unbekannten Ort verschleppt worden, teilten syrische Aktivisten im Libanon mit. Al Bunni hatte wegen seines Einsatzes für die Menschenrechte schon mehrfach im Gefängnis gesessen.

Ban fordert sofortiges Ende der Gewalt

Zuvor hatte UN-Generalsekretär Ban Ki Moon mit dem syrischen Präsidenten Baschar al Assad telefoniert und ihn aufgefordert, die blutige Niederschlagung der Demokratiebewegung sofort zu beenden. Es war der erste direkte Kontakt zwischen den beiden seit April. Seither hatte sich Assad geweigert, mit Ban zu sprechen.

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  • Zehntausende Syrer protestieren im Anschluss an Freitagsgebet
  • Länge: 0:00:25
  • Datum: 2011-08-06T03:37:00.000+02:00

Die massiven Proteste gegen Assad hatten Mitte März begonnen. Seitdem wurden nach Angaben von Menschenrechtsaktivisten Hunderte Zivilisten getötet und mindestens 12.000 Regierungsgegner festgenommen. US-Außenministerin Hillary Clinton sprach von 2000 Toten. Am Freitagabend hatten die USA, Deutschland und Frankreich die jüngste Gewalt in Syrien scharf verurteilt.

Türkei erhöht Druck

Auch die Türkei verschärfte angesichts der anhaltenden Gewalt den Ton gegen das Nachbarland. Außenminister Ahmet Davutoglu werde am Dienstag nach Damaskus reisen, um gegen das brutale Vorgehen der Sicherheitskräfte gegen Regierungskritiker zu protestieren, sagte Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan laut einer Meldung der halbamtlichen Nachrichtenagentur Anadolu. Die Geduld der Türkei lasse nach, und sein Land könne der Gewalt nicht tatenlos zusehen.

Hintergrund

Der Machtapparat der Familie Assad
Er galt als arabische Lichtgestalt, als Reformer. Doch angesichts der anhaltenden Proteste zeigt Syriens Machthaber Assad sein wahres Gesicht. Mit brutaler Gewalt geht er gegen die Bevölkerung vor. Befürchten muss er wenig, denn die Armee und die Sicherheitskräfte stehen hinter ihm.

Ankara unterhielt bis vor kurzem enge Beziehungen zu Damaskus, äußerte sich zuletzt aber immer kritischer über das Vorgehen gegen die seit fünf Monaten andauernde Protestbewegung.

Original, Google Cache, archive.org

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