Wirtschaftswunder aus Gold, Silber und Kupfer

Peru hat ein Wirtschaftwachstum von 8,8 Prozent – so hoch, dass etliche andere Staaten neidisch auf den Andenstaat blicken. Beschert wird dem kleinen Land der Boom durch drei Rohstoffe: Silber, Kupfer und Gold. Doch der Aufschwung kommt nicht bei allen an: Ein Drittel der Menschen lebt in Armut.

Von Julio Segador, ARD-Studio Buenos Aires

Perus neuer Präsident Humala zeigt seine Vereidigungsurkunde.
Die Börse reagierte zunächst negativ auf die Wahl des Linksnationalisten Humala.

Anfang Juni, unmittelbar nach der Wahl von Ollanta Humala zum neuen peruanischen Staatspräsidenten, rutschte die Börse in Lima in den Keller. Ein Minus von fast neun Prozent, eine heftige Reaktion der Märkte in dem Andenstaat. Es war die Angst, dass mit dem neuen Präsidenten die Goldgräberstimmung in Peru zu Ende geht.

Inzwischen haben sich die Märkte wieder beruhigt und auch Humala ist von seinen radikalen Plänen abgerückt, zahlreiche Betriebe in Peru zu verstaatlichen. Die Bonanza in Peru dürfte einstweilen weitergehen.

Im vergangenen Jahr verzeichnete der kleine Andenstaat ein Wirtschaftswachstum von 8,8 Prozent. Wachstumszahlen, die in anderen Regionen der Erde mit neidvollen Blicken registriert werden. Seit fünf Jahren geht es mit Peru unaufhörlich nach oben.

Der Analyst Salomon Lerner gibt sich dennoch zurückhaltend: Es sei schon richtig, dass es zuletzt ein beneidenswertes Wachstum im Land gegeben habe. „Aber das ist nur die eine Seite der Medaille. Wir haben dieses Wirtschaftswachstum, weil wir unsere natürlichen Ressourcen und Rohstoffe plündern“, erklärt Lerner. „Und alles nur, weil der entsprechende Markt boomt. Aber das alles hat keine Auswirkungen auf andere Bereiche, etwa den Arbeitsmarkt.“

Abhängigkeit vom Weltmarkt und hohe Arbeitslosigkeit

Stapel von Goldbarren
Perus Wirtschaftswachstum beruht hauptsächlich auf dem Export von Gold.

Im Wesentlichen sind es drei Rohstoffe, die Peru dieses immense Wirtschaftswachstum bescheren. Das Land ist weltweit die Nummer zwei bei der Produktion von Silber und Kupfer, die Nummer sechs bei Gold. Auf den Weltmärkten werden für diese Rohstoffe hohe Preise gezahlt.

Doch es gibt viele Fragezeichen. Nur wenige in der Bevölkerung profitieren von der Bonanza. Peru zählt trotz der positiven Wirtschaftsdaten zu den ärmsten Staaten Südamerikas. Ein Drittel der Menschen in dem Land lebt in Armut, jeder Zehnte in extremer Armut. Die Arbeitslosigkeit ist immens hoch.

Dazu kommt: Peru ist abhängig von den Weltmarktpreisen für die Rohstoffe. Anders formuliert: Das Schicksal der Volkswirtschaft des Landes liegt in den Händen der Kunden. Und die Bodenschätze sind endlich.

„Wir müssen andere Wirtschaftsbereiche stärken“

Der neue Präsident Humala weiß um diese Achillesferse der peruanischen Wirtschaft. Das Stichwort heißt für ihn Diversifizierung: „Wir müssen die peruanische Ökonomie konsolidieren, indem wir andere Wirtschaftsbereiche stärken“, sagt er. In Frage kämen etwa die Landwirtschaft, die Industrie, der Tourismus und andere Bereiche. „Sie müssen unserem Land wirtschaftliche Stabilität geben.“

In seiner ersten Regierungserklärung Ende Juli hat Humala zwei Entscheidungen getroffen, die zum einen wirtschaftspolitische Kontinuität, aber auch eine neue Akzentuierung versprechen. Als Wirtschaftsminister setzte er den bisherigen Vize-Wirtschaftsminister ein, – eine positive Nachricht für die Märkte – und er kündigte an, den Mindestlohn in zwei Schritten um fast 13 Prozent anzuheben. Viele Menschen in Peru verbinden damit die Hoffnung, dass der Aufschwung des Landes künftig auch bei ihnen ankommt.

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