Die Zeichen stehen auf Fluglotsenstreik

Im juristischen Streit um den Lotsenstreik hat das hessische Landesarbeitsgericht an die Parteien appelliert, sich zu einigen. Die Gewerkschaft der Flugsicherung solle sich verpflichten, den für Dienstagfrüh geplanten Streik abzusagen. Auf der anderen Seite müsse die Deutsche Flugsicherung (DFS) dann die Schlichtung anrufen, erklärte der Arbeitsrichter Rainer Bram. Den Parteien gab er bis Mitternacht Bedenkzeit. Eine Entscheidung fällte die Kammer zunächst nicht.

Die DFS hat bei dem Gericht Berufung eingelegt, nachdem das Arbeitsgericht Frankfurt am Nachmittag den von der Gewerkschaft der Flugsicherung (GdF) geplanten Arbeitskampf genehmigt hatte. Mit der Berufung sollte der Streik in letzter Minute abgewendet werden. Es steht aber auch noch die Möglichkeit offen, dass die Flugsicherung einseitig die Schlichtung anruft und so eine sofortige Friedenspflicht auslöst. Der Streik würde dann abgesagt.

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  • Arbeitsgericht in Frankfurt gibt grünes Licht für Fluglotsen-Streik
  • Länge: 0:01:35
  • Datum: 2011-08-08T20:21:00.000+02:00

Die Gewerkschaft der Flugsicherung (GdF) hat ihre Mitglieder von 06.00 Uhr bis 12.00 Uhr zu Arbeitsniederlegungen aufgerufen. Davon wären Schätzungen zufolge bundesweit bis zu 2500 Flüge betroffen. Vom Streikaufruf ausgenommen wurden die Flugsicherungsakademie in Langen und die Niederlassung in Maastricht.

Die GdF sehe im Moment keine andere Möglichkeit, ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen, als mit dem legitimen Mittel des Arbeitskampfes, erklärte die Gewerkschaft – und bat die Bevölkerung um Verständnis. Eine Einladung zu Gesprächen ohne Veränderung der Sachlage reiche nicht aus, um an den Verhandlungstisch zurückzukehren.

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Fluglotsen sagten Streik vergangene Woche ab

In der vergangenen Woche hatte das Arbeitsgericht Frankfurt am Main einen Streik auf den deutschen Flughäfen untersagt. Zu einer zweiten Prüfung beim Landesarbeitsgericht war es nicht gekommen, weil die Fluglotsen ihren Streik nach dem juristischen Hin und Her absagten. Die DFS hatte daraufhin ihren Antrag auf einstweilige Verfügung gegen die GdF zurückgezogen.

Die Lufthansa bedauerte den angekündigten Streik der Fluglotsen. „Leidtragende sind natürlich die Fluggäste und wir als Airline“, sagte ein Sprecher. Morgen werde voraussichtlich ein Notfallplan gelten. Reisende sollten sich regelmäßig auf der Lufthansa-Internetseite.

Tarifstreit bei den Fluglotsen

Die Gewerkschaft der Flugsicherung (GdF) fordert in der aktuellen Tarifrunde 6,5 Prozent mehr Geld. Die Deutsche Flugsicherung (DFS) will ihrerseits Kosten sparen, weil die EU vorschreibt, die Flugsicherungsgebühren ab 2012 zu senken. Die Frage, ob ein Streik in diesem Fall zugelassen ist, hängt aber mit einer anderen Forderung zusammen. Dabei geht es um die Eingruppierung von Mitarbeitern. Das dabei von der GdF angestrebte Ziel ändert nach Einschätzung der DFS und des Arbeitsgerichts in Frankfurt faktisch auch den Manteltarifvertrag. Dieser ist aber ungekündigt, deshalb besteht Friedenspflicht in Bezug auf Inhalte des Manteltarifvertrags. Weil eine GdF-Forderung unzulässig sei, verbot das Arbeitsgericht den ersten von der GdF angekündigten Streik als Ganzes. Nun muss sich die Schlichtungsrunde auch mit diesem Punkt der GdF-Forderungen auseinandersetzen.

GdF fordert sechs Prozent mehr Lohn

Die Gewerkschaft fordert im aktuellen Tarifstreit für ihre 5500 Mitglieder eine Lohnsteigerung von mehr als sechs Prozent und mehr Mitsprache in Personalfragen. Zuvor hatte die GdF die Tarifverhandlungen für gescheitert erklärt. Die Beteiligung bei der Urabstimmung betrug 92,1 Prozent.

Die DFS hatte kurz vor Bekanntgabe des Ergebnisses der Urabstimmung ein neues Angebot vorgelegt. Nach Angaben einer Sprecherin sollen sich die Gehälter in einem Zeitraum von 29 Monaten um 5,2 Prozent erhöhen. Die erste Stufe sehe schon ab August 3,2 Prozent vor.

Die Deutsche Flugsicherung überwacht zivile und militärische Flüge im deutschen Luftraum. Nach DFS-Angaben koordinieren die Mitarbeiter täglich bis zu 10.000 Flugbewegungen. Laut GdF haben die DFS-Fluglotsen in den vier Kontrollzentren und in den Towern der 16 internationalen Flughäfen Deutschlands noch nie gestreikt. Eine Urabstimmung hatte es im Jahr 2004 gegeben, ohne dass es später zum Arbeitskampf kam.

Die Brutto-Gehälter der Fluglotsen

Während der Ausbildung liegt der Verdienst bei ca. 800 Euro, in der Phase des Lizenzerwerbs bei 2900 bis 4100 Euro. Mit Beginn der eigenverantwortlichen Arbeit liegen die Gehälter, je nach Einsatzbereich und -ort, bei 68.000 bis 95.000 Euro pro Jahr – also etwa zwischen knapp 5700 Euro und knapp 8000 Euro monatlich. Dazu kommen Zuschläge für Schicht- und Feiertagsarbeit.

Wie sich ein solcher Ausstand auswirkt, wurde in den 1970er-Jahren deutlich. Damals traten die Lotsen in einen Bummelstreik. Die Presse schrieb vom „Luftkrieg der Lotsen“ und „Tower-Terror“. tagesschau.de blickt zurück:

Wartende Passagiere am Frankfurter Flughafen
Wartende Passagiere am Frankfurter Flughafen

Ohne Beschreibung
Ohne Titel

  • Vor 38 Jahren: Fluglotsen verkünden Bummelstreik
  • Länge: 0:01:18.120000
  • Datum: 2011-08-05T13:45:41.390+02:00

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