Kinder bekommen mehr Taschengeld

Der Wirtschaftsaufschwung kommt auch bei vielen Kindern an. Die Sechs- bis 13-Jährigen bekommen laut einer Studie im Schnitt 24,80 Euro pro Monat und damit fast zwei Euro mehr als vor einem Jahr. Die Forscher stellten auch fest, dass schon viele Vierjährige am Computer sitzen.

Von Oliver Neuroth, SWR, ARD-Hauptstadtstudio

Bessere Zeiten für Grundschulkinder in Deutschland – zumindest finanziell gesehen. Sie bekommen im Schnitt knapp zwei Euro mehr Taschengeld im Monat als im vergangenen Jahr: nämlich 24,80 Euro pro Monat. Auch jedes zweite Vorschulkind bekommt schon Taschengeld – und zwar im Schnitt zwölf Euro pro Monat. Für Ralf Bauer, den Leiter der Medienforschung des Egmond Ehapa Verlags, ist das eine Überraschung. Denn meist werde ja empfohlen, Kinder ab sechs Jahren zu Beginn der Schulzeit an den Umgang mit eigenem Geld zu gewöhnen.

Internetnutzung verbreitet

Mutter mit Kindern sitzt am Computer
Meist setzen sich Eltern zusammen mit kleinen Kindern an den Computer.

Zum ersten Mal untersuchten die Autoren der Kids-Verbraucher-Analyse auch die Situation von Vier- und Fünfjährigen. Sie stellten dabei fest, dass der Computer für viele von ihnen schon zum Leben gehört. Jedes fünfte Vorschulkind hat bereits Internet-Erfahrung. In der Regel setzen sich die Eltern mit ihnen an den PC. „Sie schauen auch Filme mit ihnen an und hören sich Musik an“, berichtet Bauer. Das unterscheide sich nicht stark von den größeren Kindern. Bei denen komme dann aber später im Internet Chatten, E-Mailen und Recherchieren für die Schule. „Das tun die Kleinen natürlich noch nicht, aber die Unterhaltungsmöglichkeiten des Internets werden von den Eltern zusammen mit den Kindern schon genutzt.“

„Kinder lieben Handys“, lautet ein weiteres Ergebnis der Studie. Etwa die Hälfte der Grundschüler hätte gerne ein eigenes Mobiltelefon – aber nur ein Viertel von ihnen hat eines. „In diesem Punkt ist der Widerstand der Eltern ungebrochen und hier setzen sie sich auch durch“, sagt Medienforscher Bauer.

Lesen bleibt beliebt

Obwohl Kinder intensiv die neuen Medien nutzen, spielt Lesen weiterhin eine große Rolle für sie. Mehr als 80 Prozent von ihnen greifen regelmäßig zu Kindermagazinen – die meisten zum Micky-Maus-Heft. Ob und wie viel ein Kind zu Hause liest, entscheidet in vielen Fällen die finanzielle Situation der Familie, sagt Ingo Höhn, Geschäftsleiter des Egmont Ehapa Verlags. Er verweist darauf, dass Kinder, die wirklich häufig lesen, tendenziell aus finanziell gehobenen Haushalten stammten.

Ob reiche oder arme Familien – Kinder entscheiden heute oft mit, was ihre Eltern einkaufen. Das gilt für Lebensmittel im Supermarkt, aber auch für Kleidungsstücke oder Urlaubsziele. Die Werbung beeinflusse Kinder sehr stark, sagt Medienforscher Bauer. „Aus Sicht der Industrie werden die Kinder damit als Kunden interessant. Nicht nur weil sie selber konsumieren und Taschengeld für Produkte ausgeben, die sie interessieren. Kinder beeinflussen auch – dadurch wird die Kinderansprache auch wichtig“, sagt er. Denn vielen Firmen sei inzwischen klar: Kinder von heute sind wichtige Kunden von morgen.

Kids-Verbraucher-Analyse

Die Kids-Verbraucher-Analyse des Egmont Ehapa Verlages wird seit 1993 jährlich durchgeführt. Erfragt wird das Medien- und Konsumverhalten von Kindern und Jugendlichen in Deutschland. Dabei geht es neben Fernseh-, Handy- und Internetnutzung auch um Themen wie den Verbrauch von Süßigkeiten, Spiel- und Leseverhalten oder die Höhe des Taschengeldes. In diesem Jahr wurden in der Untersuchung erstmals auch Vorschulkinder berücksichtigt. Für die aktuelle Studie wurden im Februar und im März 1728 Sechs- bis 13-Jährige sowie 394 Eltern von Vier- bis Fünfjährigen. In der Bundesrepublik leben etwa 7,5 Millionen Kinder und Jugendliche im Alter zwischen vier und 13 Jahren. Im Egmont Ehapa Verlag erscheinen unter anderem das Micky-Maus-Magazin, das Lustige Taschenbuch sowie die Asterix-Bände.

Original, Google Cache, archive.org

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