Unruhestifter verabreden sich per Blackberry

Seit drei Tagen halten Krawalle London bereits in Atem. Randalierer legen Feuer und plündern. In welchem Stadtteil zugeschlagen wird, ist für die Polizei völlig unberechenbar – das Netz der Krawallmacher ist schwer zu überwachen. Premier Cameron kündigte ein hartes Durchgreifen an.

Von Sebastian Hesse, MDR-Hörfunkstudio London

An dramatischen Appellen und Betroffenheitsäußerungen mangelte es heute Morgen nicht: „Es ist ein schockierender und empörender Morgen, an dem London heute aufgewacht ist“, sagte Steven Kavanagh von Scotland Yard. Er sei in den betroffenen Vierteln gewesen und hätte die Trauer der Anwohner gespürt.

unknown boxtype: imagegallerybox

Anklage wegen versuchten Mordes

Wie durch ein Wunder kam bei den sich ausweitenden Ausschreitungen noch niemand ums Leben. Vier Schwerverletzte unter den 44 verletzten Polizeibeamten beklagt Londons Vizebürgermeister Kit Malthouse. In einem Fall werde Anklage wegen versuchten Mordes erhoben.

Die Sicherheitskräfte waren in der vergangenen Nacht vor allem deshalb überfordert, weil es schon in London völlig unberechenbar war, in welchem Stadtteil die Randalierer zuschlagen würden – von den Städten außerhalb der Metropole einmal ganz abgesehen. „Das sind Gruppen, die sich unheimlich schnell in der Stadt bewegen und in einer Weise auf das Stadtgebiet verteilt agieren, wie wir es nie zuvor erlebt haben“, so Kavanagh. „Größenordnung und Dynamik der Übergriffe sind beispiellos.“

Anderer Typus Gewalttäter als zu Beginn

Inzwischen sei zudem ein ganz anderer Typus von Gewalttäter unterwegs als zu Beginn der Unruhen. „Es waren Gruppen von Älteren, die mit Autos unterwegs waren, um gezielt Geschäfte zu plündern“, berichtet Kavanagh. Auch die Gewaltbereitschaft gegenüber Sanitätern und Feuerwehrmännern sei viel höher. Neuartig sei auch der Organisationsgrad: Inzwischen verabreden sich die Unruhestifter vorzugsweise über den Messenger Service von Blackberry – aus gutem Grund, erklärte der IT-Experte Matt Hodkinson in der BBC: „Das ist ein geschlossenes Netzwerk, das außerordentlich schwierig zu überwachen ist, wenn man nicht von den Mitgliedern eingeladen wird – da kommt auch die Polizei nicht rein.“

Sendungsbild
Sendungsbild

  • Krawalle greifen auf weitere Stadtteile über
  • Länge: 0:02:20
  • Datum: 2011-08-09T00:56:00.000+02:00

Krisentreffen in der Downing Street

Premier David Cameron, der seinen Sommerurlaub abgebrochen hatte, kündigte nach einem Krisentreffen in der Downing Street an, dass in der kommenden Nacht in London anstatt 6000 nun 16.000 Polizisten aus dem ganzen Land eingesetzt werden würden. Alle Urlaubstage für die Beamten seien gestrichen worden, sagte er. „Die Menschen sollen nicht daran zweifeln, dass alles unternommen wird, um die Ordnung auf den britischen Straßen wiederherzustellen.“ Cameron drohte den überwiegend jugendlichen Kriminellen eine harte Bestrafung an. „Ihr werdet die Kraft des Gesetzes spüren.“ Wenn sie alt genug seien, diese Verbrechen zu begehen, seien sie auch alt genug, für sie zu büßen. Bisher seien 450 Randalierer festgenommen worden. Es sei noch mit deutlich mehr Festnahmen zu rechnen. Der Premier kündigte zudem eine Sondersitzung des Parlaments an.

unknown boxtype: maplist

Original, Google Cache, archive.org

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter tagesschau.de abgelegt und mit verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.