Todesopfer in Londoner Stadtteil Croydon

Während der seit Tagen andauernden Krawalle in London ist offenbar erstmals ein Mensch ums Leben gekommen. Ein 26-jähriger Mann, der während der Unruhen am Montag im Stadtteil Croydon angeschossen und in seinem Auto gefunden worden war, sei im Krankenhaus gestorben, teilte die britische Polizei mit.

Als die Polizei den Mann auffand, seien zwei weitere Personen anwesend gewesen und festgenommen worden, weil sie Diebesgut bei sich trugen. Nähere Einzelheiten wurden zunächst nicht bekannt. Croydon ist ein Südlondoner Stadtteil, in dem während der Unruhen mehrere Gebäude in Brand gesteckt worden waren.

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  • Christian Pfeiffer (Kriminologe) über mögliche Ursachen für die Gewalt
  • Länge: 0:03:54
  • Datum: 2011-08-09T17:09:00.000+02:00

Premier Cameron kündigt hartes Durchgreifen an

Premier David Cameron, der seinen Sommerurlaub abgebrochen hatte, kündigte nach einem Krisentreffen in seinem Amtssitz in der Downing Street an, dass in der kommenden Nacht in London anstatt 6000 nun 16.000 Polizisten aus dem ganzen Land eingesetzt werden würden. Alle Urlaubstage für die Beamten seien gestrichen worden, sagte er. „Die Menschen sollen nicht daran zweifeln, dass alles unternommen wird, um die Ordnung auf den britischen Straßen wiederherzustellen.“

Cameron drohte den überwiegend jugendlichen Kriminellen eine harte Bestrafung an. „Ihr werdet die Kraft des Gesetzes spüren.“ Wenn sie alt genug seien, diese Verbrechen zu begehen, seien sie auch alt genug, für sie zu büßen. Der Premier kündigte zudem eine Sondersitzung des Parlaments an.

„Die Gewalt ist einfach unentschuldbar“, sagte Polizeichefin Christine Jones. „Durch dieses sinnlose und rücksichtslose Vorgehen ist das Leben vieler Bürger auf den Kopf gestellt worden.“

Polizei denkt über Einsatz von Gummigeschossen nach

Die Polizei erwägt den Einsatz von Gummigeschossen. Scotland-Yard-Offizier Stephen Kavanagh sagte, die Geschosse würden benutzt, wenn es notwendig sei. In Großbritannien wurden bei Krawallen noch nie Gummigeschosse eingesetzt. Gegen die sich schnell bewegenden Gruppen von Randalierern gelten Gummigeschosse allerdings nur als bedingt effektiv.

Krawalle auch außerhalb Londons

Die Unruhen hatten in der vergangenen Nacht auf weitere Städte übergegriffen, beispielsweise Liverpool, Birmingham und Bristol.

Zudem wurden in London die dritte Nacht in Folge Häuser und Autos in Brand gesteckt, Läden aufgebrochen und Beamte mit Flaschen und Feuerwerkskörpern beworfen. Im Londoner Stadtteil Hackney attackierten hunderte Jugendliche Geschäfte und zündeten Autos an.

Bewohner kritisieren Passivität der Polizei

An den Plünderungen beteiligten sich junge Leute aller Hautfarben und sozialer Herkunft. Bewohner der betroffenen Stadtviertel beklagten sich über das ihrer Meinung nach zu passive Auftreten der Polizei. Sie forderten von den Behörden den Einsatz von Wasserwerfern und eine militärische Unterstützung für die Polizei.

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Fußball-Länderspiel abgesagt

Wegen der andauernden Ausschreitungen in London sagte der britische Fußballverband (FA) das für morgen angesetzte Länderspiel zwischen England und den Niederlanden ab. Auf diese Weise sollen mehr Polizisten für den Einsatz gegen die Randalierer zur Verfügung gestellt werden können.

Die Behörden forderten die Londoner Fußballclubs auf, ihre anstehenden Ligaspiele zu verschieben. Am kommenden Samstag beginnt die Premiere-League-Saison.

Ungeklärter Todesfall als Auslöser

Die Ausschreitungen hatten am Samstagabend im Londoner Stadtteil Tottenham nach einer zunächst friedlichen Demonstration vor einer Polizeiwache begonnen. Anlass war der Tod eines vierfachen Familienvaters, der am Donnerstag bei einem Polizeieinsatz zur Waffenkriminalität unter bislang ungeklärten Umständen durch eine Polizeikugel starb.

44 Polizisten wurden bislang verletzt. In einem Fall soll Anklage wegen versuchten Mordes erhoben werden. Auch mehr als 20 Randalierer sollen ins Krankenhaus gebracht worden sein.

Hunderte Menschen festgenommen

Seit Beginn der schweren Ausschreitungen nahm allein in London die Polizei 525 Menschen fest. Bislang sei gegen mehr als 100 mutmaßliche Randalierer Anklage erhoben worden, sagte Polizeioffizier Simon Foy. Die Polizei in Birmingham gab bekannt, sie habe nach Unruhen 35 Menschen festgenommen.

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