Chinas erster Flugzeugträger auf Testfahrt 

Chinas Aufrüstung vor allem bei der Marine beunruhigt seit langem die Anrainerstaaten. Von Japan bis zu den Philippinen wächst die Befürchtung, Peking könne beim Streit um unbewohnte Inseln und gewaltige Rohstoffvorkommen vor seiner Küste militärischen Druck ausüben. Die Sorgen werden eher größer. Jetzt lief der erste chinesische Flugzeugträger zu einer Probefahrt aus.

Von Frank Hollmann, ARD-Hörfunkstudio Peking

Chinesischer Flugzeugträger
Der Flugzeugträger lief erstmals aus.

Am Ufer warteten Touristen und Militärbegeisterte – die meisten vergebens. Als der Flugzeugträger den Hafen von Dalian im Nordosten Chinas verließ, herrschte dichter Nebel, die meisten sahen nur schemenhaft ein graues Ungetüm. Die Jungfernfahrt ist ein weiterer Meilenstein der Pekinger Aufrüstung. Zu Jahresbeginn hob Chinas selbst entwickelter Tarnkappenbomber ab, ausgerechnet als der damalige amerikanische Verteidigungsminister Robert Gates seinen Amtskollegen besuchte. Die Insel Hainan, Chinas südlichste Provinz, ist die modernste U-Boot-Basis des Landes und als China einen Satelliten abschoss, testete es gleichzeitig seine neueste Generation von Interkontinentalraketen.

Die Angst der Nachbarn

All das beunruhigt Chinas Nachbarn. Das müsse die chinesische Führung verstehen, sagt Yan Xuetong, Außenpolitikexperte an der Tsinghua Universität in Peking. „Wenn angrenzende Länder so einen starken Nachbarn wie China haben, dann brauchen sie eine Schutzmacht.“ China halte jedoch immer noch an seiner Politik fest, keiner Allianz beizutreten. „Das verunsichert unsere Nachbarn“, so Xuetong. „Sie sagen, wenn China uns keine Sicherheitsgarantien geben kann, brauchen wir eine andere Schutzmacht. Dann wenden sie sich an die USA.“

Die USA als altes, neues Feindbild?

Chinesischer Flugzeugträger
Das ursprünglich in Russland gebaute Schiff wurde in China aufgerüstet.

Japan und Südkorea verlassen sich seit Jahrzehnten auf den großen Verbündeten jenseits des Pazifiks, selbst der einstige Kriegsgegner Vietnam sucht die militärische Zusammenarbeit. In der chinesischen Generalität wachse offenbar der Unmut über die USA, beobachtet der Politologe David Zweig von der Universität Hongkong: „Wir hörten von den Falken im chinesischen Militär, es werde Zeit sich auszudehnen und die USA in zehn Jahren militärisch zu dominieren. Das ist lächerlich. Das Militärbudget der USA ist fünfmal so hoch.“

China könne ja gerade erstmals ein paar Schiffe zur Piratenbekämpfung entsenden, so Zweig. „Jenseits der eigenen Küsten haben sie kein militärisches Potenzial, außer natürlich Atomraketen abzufeuern. Die militärischen Möglichkeiten Chinas werden überschätzt und wahrscheinlich überschätzen sogar die Falken in Peking ihre eigenen Möglichkeiten.“

Rüstungsetat massiv gestiegen

Dennoch, während die Schuldenkrise US-Präsident Obama zwingt, auch über Kürzungen im Militärhaushalt nachzudenken, steigt Chinas Rüstungsetat ständig. 70 Prozent Zuwachs in nur fünf Jahren registriert ein aktueller Regierungsbericht aus Tokio. Peking hält dagegen: Andere asiatische Länder wie Indien oder Thailand hätten schon längst Flugzeugträger, sagt General Yin Zhou vom Forschungszentrum für Marinerüstung: „Auch Japan zeigt klar Interesse am Bau eines Flugzeugträgers so wie alle unsere Nachbarländer.“

Chinas erster Flugzeugträger war eigentlich für die Sowjetflotte vorgesehen, doch nach dem Zusammenbruch der UdSSR verkaufte die Ukraine das halbfertige Schiff an China, ohne Motor und ohne Elektronik. Das 300 Meter Schiff seetauglich zu machen dauerte Jahre und fand unter größter Geheimhaltung statt. Erst vor wenigen Monaten veröffentlichte Peking erste Bilder. Bis der Flugzeugträger aber wirklich einsatzbereit sei, könnten weitere Jahre vergehen, glaubt General Yin: „Alles hängt vom Training ab, vor allem der Piloten. Das dauert mindestens vier Jahre.“

Original, Google Cache, archive.org

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