Mit Besen das Chaos beseitigen

Anpacken, Aufräumen: Mit Besen und Gummihandschuhen helfen Freiwillige, das Chaos auf den Straßen von Manchester, Birmingham oder Liverpool zu beseitigen. Lautstark distanzieren sie sich von den Randalierern. Auch für Premier Cameron sind die Krawallmacher Kriminelle. Die Polizei werde noch härter gegen sie vorgehen.

Von Stephan Lochner, ARD-Hörfunkstudio London

Nach den Krawallnächten in britischen Städten sind die Aufräumarbeiten in vollem Gange – in Manchester, Birmingham und anderen Orten. Hunderte Freiwillige packen mit an, darunter viele junge Leute: Pfadfinder, Mitglieder der Jugendorganisation der sozialdemokratischen Labourpartei. Mit Besen, Schrubbern und Gummihandschuhen sind sie in die Innenstädte gekommen, um das Chaos auf den Straßen zu beseitigen und den Besitzern zerstörter und geplünderter Läden zu helfen.

Aufräumen nach der Krawallnacht: Polizisten und Freiwillige säubern die Straße.
Aufräumen nach der Krawallnacht: Polizisten und Freiwillige säubern die Straße.

„Es ist uns wichtig, zu zeigen, dass hier nicht alle randalieren,“ sagt ein Mann in Manchester. „Vor allem wir jungen Leute wollen demonstrieren, dass es sich bei den Krawallmachern um eine Minderheit handelt!“ Weiter sagt er: „Die Leute, die vergangene Nacht auf den Straßen waren, repräsentieren nicht die Jugend von Manchester! Die Jugend von Manchester ist stolz auf ihre Stadt. Wir wollen die Stadt wieder auf Vordermann bringen. Wir wollen auf unsere Stadt stolz sein!“

Der Schock sitzt tief

Der Schock sitzt immer noch tief über das, was in der Nacht in zahlreichen Städten im englischen Norden und Nordwesten passiert ist. Hunderte Krawallmacher waren in Manchester, Birmingham und Liverpool durch die Innenstädte gezogen, hatten Autos und Häuser angezündet, Geschäfte zerstört und ausgeraubt.

Großbritanniens Premierminister David Cameron
Wir werden keine Kultur der Angst auf unseren Straßen zulassen“: Premier Cameron

„Die andauernde Gewalt ist schlicht nicht hinnehmbar – und sie wird gestoppt werden,“ sagte Premier David Cameron nach einer weiteren Sitzung des Nationalen Sicherheitsrats. „Wir werden das in diesem Land nicht hinnehmen! Wir werden keine Kultur der Angst auf unseren Straßen zulassen!“

Cameron kündigte an, die Polizei werde noch entschlossener und härter gegen Randalierer vorgehen. Der Premier schloss nicht mehr aus, dass die Sicherheitskräfte auch Wasserwerfer einsetzt, was die Regierung bisher kategorisch abgelehnt hatte.

Sendungsbild
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  • Ausschreitungen greifen auf weitere Städte über
  • Länge: 0:01:21
  • Datum: 2011-08-10T21:43:00.000+02:00

Cameron macht es sich einfach

Der Premier sprach von einer zerbrochenen, einer in Teilen kranken Gesellschaft. Wenn Jugendliche Geschäfte plünderten und dabei lachten, sei klar, dass etwas nicht stimme. Er redete von Verantwortungslosigkeit, wich Fragen nach einer Verantwortung der Politik für die Verrohung aber aus.

Für Cameron ist die Sache simpel: Die Krawallmacher sind Kriminelle. Er dürfte sich bestätigt sehen durch Leute wie diesen jungen Randalierer, der sich live im BBC-Radio damit brüstet, reihenweise Geschäfte ausgeraubt zu haben.Warum sollte ich mir die Gelegenheit entgehen lassen, kostenloses Zeug zu bekommen“ sagte er rotzig ins Mikrofon. „Das ist doch viel Geld!“

Krawalle in London
Diese Jugendliche freuen sich über Schnappschüsse von der Randale.

Und dann gab er ganz offen zu, dass es ihm schlicht Spaß macht, mit der überforderten Polizei Spielchen zu spielen. „Ich mache das jetzt jeden Tag, bis ich gefasst werde. Das ist meine erste Straftat, bisher habe ich ja noch nie Schwierigkeiten gehabt. Also brauche ich mir keine Sorgen zu machen. Außerdem sind die Gefängnisse sowieso voll – ich werde also höchstens eine Verwarnung bekommen. Damit kann ich leben.“

In Schnellverfahren verurteilt

Seit Ausbruch der Krawalle sind fast 1400 Randalierer festgenommen worden, einige Dutzend wurden schon in Schnellverfahren zu Gefängnis verurteilt. Die Polizei kündigte an, sämtliche Randalierer zur Rechenschaft zu ziehen. Auch Kinder und Jugendliche, die beteiligt waren, müssten mit der ganze Härte des Gesetzes rechnen.

Ein ausgebranntes Auto in Liverpool
Liverpool am Tag nach den Ausschreitungen: Ein ausgebranntes Auto versperrt den Weg.

Eine Haltung, die laut Umfragen von einer deutlichen Mehrheit der Briten unterstützt wird. Viele wünschen sich ein härteres Vorgehen gegen die Krawallmacher. Fast 80 Prozent sind dafür, dass die Armee eingreift. Was vor allem damit zu erklären ist, dass die Unruhen weitere Tote gefordert haben.

In Birmingham sind drei junge Männer anscheinend vorsätzlich von einem Auto überfahren worden. Die drei hatten versucht, Geschäfte vor Plünderern zu schützen.

„Es war ein guter Junge“, sagt der Vater eines der toten Männer. „Alle hier haben ihn gekannt und gemocht. Ich kann Ihnen nicht beschreiben, wie es sich anfühlt, den eigenen Sohn zur verlieren.“ Die Polizei nahm inzwischen einen Verdächtigen fest – wegen des Verdachts auf Mord.

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