Wieder Ausschreitungen, wieder Festnahmen

In Großbritannien hat es die vierte Nacht in Folge Straßenschlachten und brennende Häuser gegeben. Während es in der Hauptstadt London nach drei gewalttätigen Nächten in Folge weitgehend ruhig geblieben war, waren dieses Mal vor allem die Städte Manchester, Nottingham und Birmingham betroffen. Aber auch in Salford, Wolverhampton, Liverpool, West Bromwich, Bristol und Gloucester kam es zu Krawallen.

In Manchester lieferten sich Hunderte Jugendliche Straßenschlachten mit der Polizei. Vereinzelt kam es zu Brandstiftungen. Ein hoher Polizeibeamter berichtete in der Nacht, die Beamten würden die Kontrolle über die Innenstadt „Straße um Straße“ wiedergewinnen. Am frühen Morgen hieß es, die Zahl der Randalierer im Zentrum nehme ab.

Drei Tote bei Autounfall am Rande der Krawalle

In der Region um Birmingham wurden mehr als 100 Menschen festgenommen. In Birmingham selbst seien Geschäfte angegriffen worden, teilte die Polizei mit. Am Rande der Ausschreitungen wurden drei Männer mit einem Auto totgefahren. Sie starben noch in der Nacht im Krankenhaus an ihren schweren Verletzungen. Die Polizei leitete Ermittlungen wegen Mordes ein. Weitere Details wurden zunächst nicht veröffentlicht.

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  • Wieder Krawalle in britischen Städten
  • Länge: 0:01:48
  • Datum: 2011-08-10T09:08:00.000+02:00

Auch in anderen britischen Städten kam es zu Krawallen. Dutzende Randalierer wurden von der Polizei in Gewahrsam genommen. In Nottingham wurde eine Polizeiwache mit Brandsätzen angegriffen. In Liverpool attackierten Randalierer mehrere Löschzüge der Feuerwehr.

In London war ein massives Polizeiaufgebot von insgesamt 16.000 Beamten im Einsatz, nachdem es dort drei Nächte in Folge zu Ausschreitungen gekommen war. Krawalle blieben hier aber erstmals seit Samstag aus. Aus Angst vor neuen Unruhen hatten viele Geschäfte und Büros vorzeitig geschlossen. Auch Cafés, Restaurants und Pubs öffneten nicht über Nacht.

Duggans Familie von Ermittlungen „enttäuscht“

Auslöser der Unruhen war der Tod eines Mannes, der am Donnerstag bei einem Polizeieinsatz im Londoner Stadtteil Tottenham erschossen worden war. Der vierfache Familienvater Mark Duggan wurde durch einen Schuss in die Brust getötet. Nach Angaben der unabhängigen Polizeiaufsichtsbehörde IPCC wurden keine Beweise dafür gefunden, dass Duggan zuvor selber auf die Beamten schoss. Eine vor Ort aufgefundene Pistole sei nicht benutzt worden. Duggans Familie erklärte daraufhin, sie sei „bitter enttäuscht“ über die vorläufigen Ergebnisse und verlange „Antworten“ von den Behörden.

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  • Frank Jahn (ARD London) zur aktuellen Situation aus London
  • Länge: 0:03:13
  • Datum: 2011-08-10T11:47:00.000+02:00

Am Vormittag will Premierminister David Cameron erneut eine Sondersitzung des Sicherheitskabinetts in London leiten. Morgen soll das Parlament zusammenkommen. Cameron hatte den Randalierern mit einer harten Linie gedroht. Zahlreiche europäische Staaten, unter ihnen Deutschland, mahnen inzwischen zu „besonderer Vorsicht“ bei Reisen nach Großbritannien.

Erstes Todesopfer der Krawalle

Gestern war im Zusammenhang mit den Protesten erstmals ein Mensch gestorben. Ein 26-jähriger Mann, der während der Unruhen am Montag angeschossen und im Londonder Stadtteil Croydon in seinem Auto gefunden worden war, starb laut Polizei im Krankenhaus. Als man ihn aufgefunden habe, seien zwei weitere Personen anwesend gewesen und festgenommen worden, weil sie Diebesgut bei sich trugen.

Seit Beginn der Ausschreitungen hat die britische Polizei landesweit mehr als 1000 Menschen festgenommen – allein in London waren es mehr als 750. Gegen mehr als 160 mutmaßliche Randalierer wurde Anklage erhoben.

Kommentar

Krawalle in London
Keine Frage: Die britischen Randalierer verdienen keine Sympathie. Und doch lohnt ein Blick auf die Ursachen. Die gesellschaftlichen Spannungen wachsen seit Jahren, die Sparpolitik der Regierung hat die Lage noch verschärft.

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