Unnötig langer Weg nach Utöya

Schon kurz nach dem Doppelanschlag in Norwegen war Kritik am Verhalten der Polizei laut geworden. Die Regierung von Ministerpräsident Jens Stoltenberg hatte diese Diskussion aber vertagt – auf die Zeit nach der Trauer um die Toten. Nun – drei Wochen nach den Anschlägen – kehrt in Norwegen allmählich der Alltag zurück – und mit ihm die kritischen Fragen.

Ein Dutzend Polizisten im Schlauchboot

Die Polizei ging nun ihrerseits an die Öffentlichkeit und räumte erstmals Pannen bei ihrem Einsatz auf der Insel Utöya ein. Es habe sich herausgestellt, dass die Ablegestelle für das Polizeiboot am Festland „wenig geeignet“ gewesen sei, sagte Johan Fredriksen von der Osloer Polizei dem norwegischen Fernsehsender NRK. Demnach hatten sich die Beamten aus Oslo für einen unnötig langen Weg über das Wasser entschieden.

Anschläge in Norwegen
Die Polizei nahm einen unnötig langen Weg nach Utöya.

Laut NRK stiegen die Polizisten einer Sondereinheit aus Oslo in einer Entfernung von fast vier Kilometern zur Insel in ein Boot, obwohl es eine andere Ablegestelle nur rund 700 Meter von Utöya entfernt gab. NRK zeigte zudem ein Amateurvideo, auf dem rund ein Dutzend Polizisten auf einem kleinen roten Schlauchboot zu sehen sind – zu viele für das Boot. Wasser drang ein. Die Polizei selbst nannte bisher immer Motorprobleme als Grund dafür, dass die Beamten in zwei viel schnellere Privatboote umsteigen mussten. Mit denen waren sie letztlich nach Utöya gelangt.

Sendungsbild
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Anschläge in Norwegen
Die Polizei nahm einen unnötig langen Weg nach Utöya.

  • Norwegische Polizei räumt Fehler bei Einsatz auf Utöya ein
  • Länge: 0:01:44
  • Datum: 2011-08-10T18:00:00.000+02:00

Eine Stunde zwischen Notruf und Festnahme

Der geständige Attentäter Breivik hatte nach einem von ihm verübten Bombenanschlag im Regierungsviertel von Oslo am 22. Juli das Feuer auf 600 Teilnehmer eines Jugendcamps auf Utöya eröffnet. Dort hatte die Jugendorganisation der regierenden Arbeiterpartei ein Zeltlager veranstaltet. 69 Menschen wurden getötet. Zwischen dem ersten Notruf und der Festnahme Behring Breiviks auf Utöya verging rund eine Stunde. Die Polizei konnte bislang nicht erklären, warum.

Original, Google Cache, archive.org

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