„Das ist kein Spiel, das ist kein Spaß“

Nicht nur Großbritannien kämpft mit nächtlichen Ausschreitungen – auch in Philadelphia kam es Ende Juli zu Krawallen mit fast 60 Verletzten. Der Bürgermeister der US-Stadt griff jetzt durch und verhängte eine Ausgangssperre gegen Jugendliche unter 18 Jahre.

Von Silke Hasselmann, MDR-Hörfunkstudio Washington

Ein Flashmob in den Straßen von Philadelphia am 20. März dieses Jahres
Jugendliche versammelten sich Ende März in den Straßen von Philadelphia.

Am vorigen Freitag kurz nach Einbruch der Dunkelheit war es wieder soweit: Einige Jugendliche hatten sich über Facebook oder Twitter einen bestimmten Treffpunkt in Philadelphia mitgeteilt und auch die Uhrzeit blitzartig weiterverbreitet. Wenig später stellten sich wie aus dem Nichts die ersten Flashmobber ein – und dann wurden es immer mehr. Das Problem: Sie zogen grölend und randalierend durch das Stadtzentrum. Als zwei Passanten krankenhausreif geschlagen wurden, griff die Polizei vier Teenager aus der Menge: Sie waren 11, 16, 17 und 19 Jahre alt.  

„Schluss mit lustig“, rief Bürgermeister Michael Nutter nun und erklärte – umringt von Polizisten und anderen Stadtvertretern: „Wenn Ihr darauf aus seid, verheerende Schäden anzurichten, wenn Ihr darauf aus seid, Probleme zu bereiten und Dinge zu tun, die Ihr nicht tun solltet, dann werden wir Euch von der Straße holen.“

Erziehungsberechtigten droht 500-Dollar-Strafe

Doch am besten wäre es, man müsste sie nicht herunterholen. Also gilt ab sofort an jedem Wochenende eine abendliche Ausgangssperre im Zentrum Philadelphias und im Stadtteil University City. Wer jünger als 18 Jahre ist und freitags oder samstags nach 21 Uhr auf der Straße angetroffen wird, werde Konsequenzen spüren, so Nutter. Das Gleiche gelte für die Erziehungsberechtigten: Ihnen drohen gerichtliche Schnellverfahren wegen Vernachlässigung der Aufsichtspflichten und eine 500-Dollar-Strafe, falls ihre Kinder mehrmals aufgegriffen werden. „Es ist keine Frage der Polizei allein – wir alle sind gefordert“, begründet der Bürgermeister diesen Schritt.

Jugendliche in den Straßen von Philadelphia
Sie waren einem Aufruf über Internetplattformen wie Twitter und Facebook gefolgt.

Zwar sind Flashmobs längst auch aus anderen Städten Amerikas und Europas bekannt. Doch seit zwei Jahren wird vor allem aus der Ostküstenmetropole Philadelphia immer wieder von extremen Auswüchsen berichtet. Stundenlanger Lärm ist noch das Harmloseste. Schwerer wiegen schon die Belästigung – ja, das Zusammenschlagen fremder Leute wie jüngst am 29. Juli, als 59 Menschen verletzt in Krankenhäuser gebracht werden mussten. Zerworfene Schaufenster, demolierte Autos, geplünderte Läden – auch das keine Seltenheit. Und immer wieder stellt die Polizei von Philadelphia fest, dass dies vor allem an Wochenenden abends mit gelangweilten, zugleich oft aufgeputschten Teenagern stattfindet, die sich zuvor zu einem Flashmob verabredet hatten.

Ausgangssperre bis zum Ende des Sommers

Deshalb also nun die Ausgangssperre – und zwar bis zum Ende des Sommers. Bis dahin gilt laut Bürgermeister Nutter: „Wir scherzen nicht. Das ist kein Spiel, das ist kein Spaß.“

Original, Google Cache, archive.org

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