Schwarzgeld in der Schweiz wird versteuert

Deutsches Schwarzgeld auf Schweizer Konten soll rückwirkend bis zum Jahr 2000 versteuert werden. Auf ein entsprechendes Abkommen haben sich Deutschland und die Schweiz nach monatelangen Verhandlungen geeinigt. Zudem sollen deutsche Behörden im Verdachtsfall Informationen über Konten abfragen dürfen.

Von Claus Heinrich, SWR, ARD-Hauptstadtstudio

Die deutsche und schweizerische Bundesregierung haben sich nach monatelangen Verhandlungen auf ein Steuerabkommen geeinigt. Nach den notwendigen parlamentarischen Abstimmungen soll es ab Anfang 2013 gelten. Der deutsche Fiskus soll, wenn beide Kabinette und Parlamente zugestimmt haben, von den Schweizer Banken eine Abgeltungssteuer von rund 26 Prozent auf Kapitalerlöse deutscher Steuerbürger in der Schweiz kassieren dürfen.

UBS-Bankfiliale in Zürich
Züricher UBS-Bankfilliale. Schwarzgelder sollen rückwirkend bis 2000 versteuert werden.

Damit gilt dann für deutsche Erträge und Gewinne auf Schweizer Konten der exakt gleiche Steuersatz wie in Deutschland. Und: Deutsche Steuerbehörden haben künftig das Recht, von den Schweizer Banken im Verdachtsfall Informationen darüber zu erhalten, ob deutsche Staatsbürger ein Konto bei ihnen führen. So hofft die Bundesregierung, dass es künftig nicht mehr möglich sein wird, Schwarzgeld unversteuert in der Schweiz zu parken.

Deutsche Schwarzgelder auf 150 Milliarden Franken geschätzt

Das Bundesfinanzministerium will auf Grundlage des Abkommens auch die von Fachleuten auf 150 Milliarden Franken geschätzten deutschen Schwarzgelder nachträglich versteuern, rückwirkend etwa bis zum Jahr 2000. Das sollen die Schweizer Banken selber übernehmen, die mit Inkrafttreten des Abkommens zwei Milliarden Schweizer Franken Vorabzahlung an Deutschland überweisen werden. Die deutschen Altvermögen sollen mit unterschiedlichen Steuersätzen von 19 bis 34 Prozent besteuert werden – anonym und pauschal, so dass das legendäre Schweizer Bankengeheimnis gewahrt bleibt.

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  • Vermögen auf schweizer Banken soll pauschal nachbesteuert werden
  • Länge: 0:01:20
  • Datum: 2011-08-10T20:19:00.000+02:00

Das bedeute praktisch eine nachträgliche Amnestie für deutsche Steuerhinterzieher zu relativ günstigen Steuersätzen, moniert die deutsche Steuergewerkschaft. Ehrliche Steuerzahler mussten in den 90er-Jahren immerhin bis zu 53 Prozent abführen. Deutsche Steuerhinterzieher mit Schweizer Bankkonto können sich natürlich auch nach wie vor individuell besteuern lassen, was aber mit einer Selbstanzeige bei den Steuerbehörden einhergeht. Viel wahrscheinlicher dürfte aber sein, dass viele ihr Schwarzgeldkonto in der Schweiz auflösen und künftig beispielsweise in Asien deponieren. So will die Bundesregierung auch keine Angaben darüber machen, mit wie viel Steuergeldern sie denn tatsächlich rechnet, die die Schweizer Banken an den deutschen Fiskus künftig überwiesen sollen.

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