Zyperns Kreditwürdigkeit sinkt und sinkt

Die Ratingagentur Fitch hat die Kreditwürdigkeit Zyperns um zwei Stufen auf „BBB“ und damit auf kurz vor Ramschstatus heruntergestuft. Zugleich bewertete Fitch den Ausblick für die Bonität des Euro-Landes als negativ, was weitere Herabstufungen erwarten lässt.

Die Agentur begründete die Absenkung mit den „aktuellen und kommenden Haushaltsproblemen“ der Regierung. Vermutlich werde es dem Land nicht gelingen, seinen mittelfristigen Finanzbedarf komplett am Kapitalmarkt zu decken, so Fitch. Zudem verweist die Agentur auf ein deutlich höheres Haushaltsdefizit im laufenden Jahr infolge der schweren Explosion auf einem Marinestützpunkt Mitte Juli. Von der verheerenden Explosion ist insbesondere die Stromversorgung Zyperns betroffen, was das künftige Wachstum deutlich dämpfen dürfte. Unter den aktuellen Marktumständen werde Zypern seinen Finanzbedarf vermutlich nicht ohne fremde Hilfe „von offizieller Seite“ decken können, so Fitch. Ein Analyst der Agentur sagte auf Nachfrage, es handele sich um einen Hinweis auf einen EU-Rettungsplan.

Zypern ist wirtschaftlich ein Leichtgewicht

Logo der Ratingagentur Fitch an einem Gebäude
Ausblick negativ: Fitch stuft Zypern abermals herunter.

In der Euro-Zone sorgt die Bonität Zyperns für wenig Unruhe. Die Inselrepublik trägt lediglich 0,2 Prozent zur Wirtschaftsleistung der 17-Länder-Zone bei, ein Rettungsprogramm dürfte die Gemeinschaft kaum überfordern.

Fitch hatte die Bonität Zyperns bereits Anfang Mai deutlich gesenkt. Grund war die Griechenlandkrise. Der Bankensektor Zyperns ist eng mit den griechischen Banken verwoben. Ein Großteil aller Forderungen des zyprischen Bankensektors entfällt auf griechische Schuldner.

Vor zwei Wochen hatte auch die US-Ratingagentur Moody’s die Kreditbewertung für Zypern um zwei Noten gesenkt. Auch die Ratingagentur Standard & Poor’s (S&P) stufte die Kreditwürdigkeit Zyperns um eine Note herab.

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Neues Sparprogramm geplant

Zypern müht sich derzeit mit allen Kräften darum, seine Schuldenprobleme in den Griff zu bekommen. Das neue Kabinett beschloss ein 600 Millionen Euro umfassendes Maßnahmenpaket, mit dessen Hilfe die Mittelmeerrepublik ihr Haushaltsdefizit im kommenden Jahr auf 2,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts senken will. Zudem betont die Regierung immer wieder, dass Zypern zur Zeit keine Hilfe der EU benötige. Die Abstimmung über das neue Sparprogramm soll am 25. August stattfinden.

Die Regierung hat im Parlament allerdings keine Mehrheit, um ihr Kürzungsprogramm durchzusetzen. Die Demokratische Partei, die unlängst aus der Koalition mit der kommunistischen Akel-Partei ausgestiegen ist, lehnt vor allem die geplanten Einsparungen für den öffentlichen Dienst ab. Parteiübergreifende Vermittlungsbemühungen blieben ohne Erfolg.

Karte: Zypern

Original, Google Cache, archive.org

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