Zwei Mordanklagen nach Unruhen in Birmingham

Nach den Unruhen in Großbritannien sind zwei junge Männer wegen Mordverdachts angeklagt worden. Ihnen wird vorgeworfen, bei der Randale in Birmingham in der Nacht zum Mittwoch mutwillig mit ihrem Auto in eine Menschengruppe gerast zu sein. Dabei sollen sie drei junge Männer getötet haben, die dabei waren, ihr Wohngebiet vor Plünderern zu schützen. Bei den Verdächtigen handelt es sich nach Polizeiangaben um einen 17-jährigen Jugendlichen und einen 26-jährigen Mann.

Hunderte Menschen in Birmingham nahmen an einer Gedenkveranstaltung teil. Die Feier fand in der Nähe des Ortes statt, an dem die drei Männer überfahren worden waren. Neben Reden gab es eine Gedenkminute für die insgesamt fünf Menschen, die bei den Unruhen ums Leben kamen.

unknown boxtype: imagegallerybox

Eine Woche nach dem Ausbruch der Krawalle in London und anderen britischen Städten, bei denen insgesamt fünf Menschen ums Leben kamen, normalisiert sich die Lage weiter. Auftaktspiele der neuen Fußball-Saison in der Premier League sowie andere sportliche Großereignisse verliefen am Samstag ohne Störungen. Wegen der Unruhen waren bis Samstag allein in London mehr als 740 Anklagen erhoben worden.

Polizei gegen „Super-Cop“ – Krach mit Cameron

Derweil gibt es erhebliche Meinungsverschiedenheiten zwischen der britischen Polizei und Premier David Cameron. Dieser hatte die Sicherheitskräfte nach den Ausschreitungen kritisiert und den früheren Polizei-Chef von New York, Bill Bratton, als Berater der Regierung nach London gebeten. Bratton soll offenbar als Experte für Straßenkriminalität engagiert werden. Wie die britische Regierung bestätigte, wird er im Herbst zu mehreren Sitzungen von Scotland Yard nach Großbritannien kommen. Er werde dafür nicht bezahlt, hieß es.

Sir Hugh Orde
England brauche keinen US-„Super-Cop“, sagt der Chef der Vereinigung der Polizei-Offiziere, Sir Hugh.

David Cameron
Premier Cameron hatte die Polizei seines Landes nach den Krawallen kritisiert und die Hilfe aus den USA angefordert.

Die Polizeigewerkschaften werten diese Entscheidung als Missachtung der Polizeiarbeit. Sie verlangten stattdessen die Rücknahme geplanter Personalkürzungen. England brauche keinen „Super-Cop“ aus den USA, monierte der Chef der Vereinigung der Polizei-Offiziere, Sir Hugh Orde.

Bekannt für das Null-Toleranz-Prinzip

Bill Bratton am 15.03.2005
Diese Aufnahme zeigt Bratton im März 2005.

Der 63-jährige Bratton hatte in Los Angeles maßgeblich das Null-Toleranz-Prinzip durchgesetzt, als er 1992 als Polizeichef die Einsätze zur Beendigung tagelanger Banden-Unruhen leitete.

Sir Hugh machte in einem Interview mit der Zeitung „Independent“ jedoch darauf aufmerksam, dass es heute dort noch 400 Gangs gebe. „Mir scheint, wenn man immer noch 400 Gangs hat, dann war an nicht besonders effektiv.“ Der Stil der Polizeiarbeit in den USA sei auch angesichts des dortigen „Niveaus an Gewalttätigkeiten grundlegend anders als hier“. Genau das wolle man für Großbritannien nicht.

Original, Google Cache, archive.org

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter tagesschau.de abgelegt und mit verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.