Rebellen stoßen in wichtige Küstenstadt vor

Truppen der libyschen Rebellen sind offenbar auf strategisch wichtige Städte vormarschiert. Sie liegen an der Küstenstraße nach Tripolis, der einzigen Versorgungsroute des Gaddafi-Regimes. Die Rebellen kontrollieren nach eigenen Angaben bereits die Stadt Sawija. Gefolgsleute von Gaddafi dementierten den militärischen Erfolg der Aufständischen.

Von Peter Steffe, ARD-Hörfunkstudio Kairo

Der Vorstoß war offenbar bestens vorbereitet und geplant. Gleich an drei Stellen entlang der 200 Kilometer langen Küstenstraße zwischen dem tunesischen Grenzübergang Ras Ajdir und Tripolis ist es den Rebellen gelungen, auf die Städte Zabrata, Surman und Sawija vorzurücken. Dabei gab es zum Teil heftige Gefechte mit libyschen Truppen. In Sawija, die rund 40 Kilometer vor den Toren der Hauptstadt liegt, liefen Einwohner zu den Aufständischen über. Bewaffnete Männer und Jugendliche halfen den Widerstandskämpfern, weite Teile der Stadt unter Kontrolle zu bekommen.

Ein Anhänger der Rebellen in Bir Terfas, einige Kilometer südlich von Sawija.
Victory-Zeichen: Ein Anhänger der Rebellen in Bir Terfas, einige Kilometer südlich von Sawija.

Der Sprecher der libyschen Regierung verharmloste vor internationalen Journalisten in Tripolis das militärische Geschehen an der Küste. Sawija sei nicht in der Hand der Rebellen: „Absolut nicht. Nein. Sie haben mich in militärischen Angelegenheiten noch nie beim Lügen erwischt. Sawija ist unter unserer Kontrolle.“ Passiert sei vielmehr Folgendes: „Eine kleine Gruppe von Rebellen hat versucht, sich nach Süden zu bewegen. Es waren weniger als 100. Sie wurden von unseren Truppen gestoppt. Da war eine Handvoll Leute, die in Sawija wohnen und die darauf gewartet haben, dass die anderen in die Stadt kommen.“

Gefechte entlang der Küstenstraße

Jetzt sind die Widerstandskämpfer in der Stadt, durchkämmen sie und suchen nach versprengten Einheiten von Machthaber Muammar al Gaddafi. Wie der arabische Fernsehsender Al Dschasira berichtete, konnten die Rebellen fliehende Söldner festnehmen, die in libyschen Einheiten gekämpft hatten und sich schlussendlich aber ergeben mussten. Sie wurden auf Lastwagen verladen und abtransportiert. Ihr Schicksal ist ungewiss.

Rebellen mit einem Panzer in Bir Terfas, einige Kilometer südlich von Sawija.
Rebellen mit einem Panzer, einige Kilometer südlich von Sawija.

Weiter westlich von Sawija gibt es noch immer heftige Gefechte um strategisch wichtige Orte entlang der Küstenstraße. Vor den Kämpfen nach Tunesien geflohene Augenzeugen berichteten gegenüber Journalisten, dass Gaddafi-treue Truppen versuchen, die Umgebung des Grenzüberganges Ras Ajdir zu halten. Sie versuchen offenbar mit schwerem Kriegsgerät den Grenzposten zu verteidigen. Durchhalteparolen von Regierungssprecher Mussa Ibrahim: „Wir sind sehr stark. Zehntausende Freiwillige sind bewaffnet. Es spielt keine Rolle, ob die NATO Vorteile hat oder nicht oder ob die Rebellen voran kommen oder nicht. Sie werden immer bereit sein, zu kämpfen, auch in einem, zwei oder drei Jahren.“

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Einzige Versorgungsroute des Gaddafi-Regimes

Klar ist aber: Gelingt es den Aufständischen, ihre Positionen an der 200 Kilometer langen Küstenstraße zwischen Tripolis und der tunesischen Grenze zu halten, dann haben sie die Möglichkeit Gaddafi und seine Regierung in die Knie zu zwingen. Alles ist nur eine Frage der Zeit. Denn über diese Küstenstraße, der einzigen Versorgungsroute des Regimes, läuft der gesamte Nachschub für die Bevölkerung und die libyschen Truppen – Lebensmittel und Benzin. Es scheint, als ziehe sich die Schlinge um Gaddafis Hals immer enger zu.

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