Ein Zeichen der Hoffnung in Nepal

Seit dem Ende des Bürgerkriegs in Nepal vor vier Jahren leben 20.000 Maoisten in Lagern. 4000 waren 2006 noch minderjährig. Sie sollen jetzt freikommen, auch wenn einige von ihnen an Kämpfen beteiligt waren. Die Regierung und die UNO wollen ihnen die Chance geben, ins normale Leben zurückzufinden.

Von Sabina Matthay, ARD-Hörfunkstudio Südasien

Das neue Jahr ist gerade einige Tage alt, da unternimmt Nepal schon einen symbolträchtigen Schritt, der den zähen Friedensprozess voranbringen soll. Rund 4000 Mitglieder der maoistischen Aufständischen in Nepal waren am Ende des Bürgerkriegs 2006 minderjährig. Seither leben sie über das ganze Land verteilt in Lagern der ehemaligen Rebellen. Jetzt verlassen die ersten jungen Leute diese Lager.

Verabschiedungszeremonie in einem Camp für jugendliche Ex-Rebellen
Jugendliche Ex-Rebellen tauschen bei der Verabschiedung aus dem Lager ihre blauen Uniformen gegen Zivilkleidung.

„Ab jetzt werden sie ins zivile Leben entlassen, sie können Arbeit annehmen, noch mal die Schule besuchen und ihr Leben in geordnete Bahnen lenken“, sagt Sarah Crowe vom Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen (UNICEF). Den Anfang machen 210 junge Leute, die meisten Anfang 20, fünf unter 18 Jahren, rund ein Drittel Frauen.

Kindersoldaten, Köche oder Putzhilfen

„Viele traten den Maoisten freiwillig bei, einige wurden von den Maoisten rekrutiert“, erläutert Sarah Crowe. Anders als etwa in afrikanischen Bürgerkriegsländern benutzten die Rebellen nur wenige dieser Kinder und Jugendlichen als Soldaten, die meisten dienten den Kämpfern als Köche oder Reinigungskräfte.

Ihre Entlassung ins zivile Leben ist Teil eines Aktionsplans, den die nepalesische Regierung, die Maoistische Partei und die Vereinten Nationen im Dezember letzten Jahres vereinbarten.

Eine Friedensdividende für Nepal

UN-Mitarbeiter beobachten die Abfahrt ehemaliger Maoisten aus einem Lager in Nepal.
Auf dem Weg ins normale Leben: Ehemalige Maoisten werden mit Bussen aus einem der Lager weggebracht.

Doch die Rehabilitierung der jungen Leute wird nach Einschätzung von UNICEF nicht ganz reibungslos ablaufen. „Einige waren in den letzten Jahren des Konflikts an Kämpfen und Tötungen beteiligt, viele Gemeinschaften werden sie nicht allzu freundlich aufnehmen“, sagt Crowe. Bis Ende Februar sollen dennoch alle jungen Maoisten die Lager verlassen, UNICEF wird ihre Rückkehr in die Zivilgesellschaft beratend begleiten.

Der Aktionsplan vom Dezember bietet ihnen Zukunftsperspektiven: Sie können mit Unterschützung von Regierung und UNO einen Schulabschluss erwerben, eine Berufsausbildung machen oder ein Kleingewerbe eröffnen. Sarah Crowe spricht von einer Friedensdividende für Nepal: „Wenn Menschen sehen, dass ein Aktionsplan verwirklicht wird, dann gibt es Hoffnung. Es kann nur gut sein, wenn die Wunden nach vielen Jahren des Konflikts verheilen.

Original, Google Cache, archive.org

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