Kampf gegen Banden – Hilfe für Familien

Nach den Krawallen in Großbritannien will Premier Cameron die „gebrochene Gesellschaft reparieren“. Er kündigte der Banden-Kultur den Kampf an und sagte hilfsbedürftigen Familien Unterstützung zu. Die Opposition forderte, die Ereignisse intensiv zu analysieren.

Von Torsten Huhn, NDR-Hörfunkstudio London

Nach den schweren Krawallen in mehreren englischen Städten will Premierminister David Cameron dem moralischen Kollaps der britischen Gesellschaft den Kampf ansagen. In einer Rede in Oxfordshire kündigte der Premier erneut an, die „gebrochene Gesellschaft zu reparieren“:

David Cameron spricht in einem Jugend-Center in Witney.
Premier Cameron bei seiner Rede in einem Jugend-Center in der Stadt Witney.

„Das muss ein Weckruf für unser Land sein. Soziale Probleme, die sich in Jahrzehnten entwickelt haben, sind vor unseren Augen explodiert. Die Menschen wollen, dass Kriminellen auf der Straße mit Härte begegnet wird und dass die sozialen Probleme aufgegriffen und gelöst werden.“

Die Regierung werde auf die Krawalle nicht nur mit schärferen Sicherheitsmaßnahmen reagieren. Der Kampf um Sicherheit müsse von einem sozialen Kampf begleitet werden, sagte der Premier. Was er darunter versteht, erläuterte er allerdings nicht. Er versprach aber, den 120.000 Familien mit den größten Problemen zu helfen, ihr Leben zu ändern. Zudem sagte er der Banden-Kultur den Kampf an.

Cameron prangert Werteverfall an

Der konservative Regierungschef beharrte darauf, dass es bei der Randale nicht um Geld und Wohlstand gegangen sei: „Bei diesen Unruhen ging es nicht um Rassen. Täter und Opfer waren weiß, schwarz und asiatisch. Es ging nicht um die Kürzungen der Regierung, sie richteten sich gegen Geschäfte in den Einkaufsstraßen, nicht gegen das Parlament. Und es ging bei diesen Unruhen nicht um Armut. Es ging um Verhaltensweisen. Die Leute zeigten Gleichgültigkeit  gegenüber richtig und falsch, sie zeigten eine perverse Moral, sie zeigten sich völlig unbeherrscht.“

Er sei in die Politik gegangen, um eine größere, stärkere Gesellschaft zu schaffen, meinte Cameron. Und erneut, wie schon vergangene Woche im Parlament, machte er fehlende moralische Werte für die Ausschreitungen verantwortlich.

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Im Einzelnen prangerte er an: „Unverantwortlichkeit, Egoismus, ein Verhalten, als ob es keinerlei Konsequenzen gebe, Kinder ohne Vater, Schulen ohne Disziplin, Verbrechen ohne Strafe, Rechte ohne Verantwortung, Gemeinschaften ohne  Kontrolle. Die schlimmsten Seiten der menschlichen Natur werden akzeptiert, zum Teil sogar gefördert vom Staat und seinen Einrichtungen.“

Opposition fordert umfassende Untersuchungen

Oppositionsführer Ed Miliband von der Labour-Partei warf Cameron vor, er reagiere reflexartig auf die Gewalt und verschließe sich einer tiefergehenden Analyse der Gründe. Miliband forderte eine weitreichende Untersuchung der Ursachen der Krawalle.

Der Chef der oppositionellen Labour-Partei, Ed Miliband, spricht mit einem Mann in Tottenham.
Oppositionsführer Miliband, hier bei einem Gespräch in Tottenham, fordert, dass die Ursachen für die Krawalle intensiv analysiert werden.

Über die, die auf die Straße gegangen sind, sagte er: „Sie sehen eine Gesellschaft, die diejenigen glorifiziert, die Millionen verdienen, während sie ums Überleben kämpfen. Sie sehen den Kult um Berühmtheiten, der den Wert harter Arbeit ablöst. Wir haben heute beides nebeneinander: die, die so viel haben, und die, die keinen Platz haben in unserer Gesellschaft. Es wollen aber alle eine Chance haben, voranzukommen.“

Er hoffe, dass man sich als Konsequenz aus den Krawallen um die tieferen Ursachen der Ungleichheit Gedanken machen werde, meinte Miliband.

Die britische Polizei hat mittlerweile über 2000 Personen festgenommen. Die Schnellgerichte arbeiten weiter rund um die Uhr, um Angeklagte zu verurteilen.

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