Google versucht den Befreiungsschlag

Nicht weniger als 12,5 Milliarden US-Dollar lässt sich Google die Motorola-Handysparte kosten. Die gigantische Übernahme soll vor allem das Betriebssystem Android retten, das Konkurrenten mit zahlreichen Patentklagen ernsthaft bedrohen. Die Börsen reagierten allerdings skeptisch.

Von Claudia Sarre, ARD-Hörfunkstudio New York

Es ist die größte Übernahme der Konzerngeschichte und gleichzeitig ein milliardenschwerer Befreiungsschlag: Google verleibt sich für 12,5 Milliarden Dollar den Handy-Hersteller Motorola ein. Der Konzern will damit sein Betriebssystem Android für Smartphones und Tablet-Computer voranbringen.

Zwar konnte sich der Internet-Riese mit Android schon auf dem Smartphone-Markt etablieren – allerdings fehlen noch die Patente, um sich in dem Segment wirklich durchzusetzen. „Motorola hat ein starkes Patent-Portfolio, das wird es uns ermöglichen, Android besser vor wettbewerbsfeindlichen Bedrohungen durch Microsoft, Apple und andere Unternehmen zu schützen“, sagte Google-Konzernchef Larry Page heute morgen in einer Telefonkonferenz.

Vor allem die Oracle-Klage könnte gefährlich werden

Google
Google selbst lobte vor allem Motorolas „starkes Patent-Portofolio“.

Das hauseigene Smartphone- und Tablet-Betriebssystem Android ist zur Zeit einer Reihe von Patenklagen von Konkurrenten ausgesetzt. Die Auseinandersetzung mit dem Software-Riesen Oracle wurde zuletzt besonders kritisch, da dieser Milliarden Dollar als Entschädigung forderte. Oracle hatte bei Android Patente für die Programmiersprache Java verletzt gesehen.

Die Motorola-Patente könnten Google nun Verhandlungsmasse liefern, um mit klagewilligen Rivalen zu einer Einigung zu kommen. „Google-Aktien gingen erstmal nach Bekanntgabe des Kaufs nach unten – das heißt am Markt ist man sich noch nicht im klaren darüber, ob das wirklich ein guter Deal ist – und ob man langfristig tatsächlich mit Apple konkurrieren kann“, sagte Cristina Alesci von Bloomberg News.

Google zahlt viel

Der weltgrößte Suchmaschinenbetreiber hat sich die Übernahme der Handysparte von Motorola einiges kosten lassen. Je Aktie wurden 40 Dollar in bar gezahlt: Das entspricht einem Aufschlag von 63 Prozent auf den Motorola-Schlusskurs von Freitag.

Die Übernahme soll bis Ende des Jahres über die Bühne gehen. Allerdings muss das Kartellamt dem Deal noch zustimmen.

Original, Google Cache, archive.org

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