Von einem sicheren Land weit entfernt

Bei der schlimmsten Anschlagsserie seit zwei Monaten im Irak sind etwa 60 Menschen getötet worden. Mehr als 100 weitere wurden laut Polizisten und Ärzten verletzt. Die Attentate in mehreren Städten waren offensichtlich abgestimmt. Die Behörden vermuten Verbündete von Al Kaida hinter den Taten.

Von Jens Wiening, ARD-Hörfunkstudio Amman

Es waren die heftigsten Anschläge im Irak seit zwei Monaten – und sie haben klar gemacht: Der Irak ist noch weit davon entfernt, ein sicheres Land zu sein.

An mehreren Orten griffen die Attentäter heute zeitgleich an. In Kut, 160 Kilometer von Bagdad entfernt, gab es die meisten Toten zu beklagen. Dort wendeten die Attentäter erneut eine besonders perfide Taktik an: Erst explodiert eine Bombe. Wenn dann Hilfskräfte und Neugierige kommen, explodiert eine zweite Bombe.

Explosionen mitten in der Stadt

Unter den Opfern befinden sich nach Angaben eines Krankenhausarztes auch Frauen und Kinder. Die Bomben explodierten mitten in der Stadt. „Sie wollen den Irak destabilisieren und mit den Angriffen dass Vertrauen der Bevölkerung in unsere eigenen Sicherheitskräfte kaputtmachen“, sagte ein Vertreter des Militärs. Er machte Al Kaida oder dem Terrornetzwerk nahe stehenden Gruppen für die Anschlagsserie verantwortlich.

unknown boxtype: maplist

Ein Beleg für diese Vermutung ist ein Angriff auf einen Palastkomplex in Tikrit. Am Vormittag drangen drei Attentäter in das Gebäude ein. Offenbar verkleidet als Polizisten konnten sie die Sicherheitskontrollen überwunden. „Sie haben versucht, Al-Kaida-Gefangene zu befreien“, sagte ein Sicherheitsbeamter, der anonym bleiben wollte. „Sie haben auch einen Chef unserer Anti-Terror-Einheit getötet“, sagte er weiter. Zwei Attentäter kamen ums Leben, einer konnte fliehen. Es kam auch noch an weiteren Orten im Irak zu Anschlägen, denen Polizisten und Zivilisten zum Opfer fielen.

Instabile Regierung

Immer wieder werden im Irak Soldaten und Sicherheitskräfte das Ziel von Attentaten. Häufig werden die Bomben gezündet, wenn die Mitarbeiter ihren Lohn abholt. Ein Ziel der Attentate ist es, den Irak zu destabilisieren. Im vergangenen Jahr dauerte es acht Monate, bis sich nach der Parlamentswahl eine Regierung gefunden hatte. Auch während dieser Zeit hatte es immer wieder Attentate gegeben. Die aktuelle Regierung gilt alles andere als stabil.

Debatte um Abzug der US-Soldaten

Ein anderer Grund könnte der Abzug der letzten amerikanischen Soldaten sein. Rund 45.000 befinden sich noch im Land. Bis Ende des Jahres müssen auch sie den Irak verlassen haben. Die Regierung in Bagdad hat kürzlich mitgeteilt, dass sie mit den USA über einen Verbleib einiger US-Soldaten über 2011 hinaus verhandelt. Sie sollen im Land bleiben, um irakische Soldaten und Polizisten auszubilden. Daran gibt es viel Kritik seitens der Bevölkerung und Opposition. Hintergrund der Überlegungen ist die unsichere Situation im Irak. Die Zeit der großen Anschläge war zwar in den Jahren 2006 und 2007. Doch allein im Juli dieses Jahres kamen im Irak 259 Zivilisten bei Attentaten ums Leben. Das ist der zweithöchste Wert diese Jahres.

unknown boxtype: audioflashlist

Original, Google Cache, archive.org

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter tagesschau.de abgelegt und mit verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.