Richter schließt Fernsehen von Verhandlung aus

Der Prozess gegen Ägyptens Ex-Präsident Mubarak wegen der Tötung mehrerer hundert Demonstranten ist fortgesetzt worden. Helfer schoben ihn auf einem Krankenbett in den für Angeklagte vorgesehenen Eisenkäfig im Gerichtssaal in Kairo, wie Bilder des Staatsfernsehens zeigten. Er war zunächst mit einem Helikopter vom Krankenhaus in die Nähe der Polizeiakademie geflogen worden, wo der Prozess aus Sicherheitsgründen stattfindet.

Ex-Präsident Mubarak auf einem Krankenbett vor Gericht.
Ex-Präsident Mubarak auf einem Krankenbett vor Gericht.

Später vertagte das Gericht den Prozess auf den 5. September und kündigte an, dann mit der Beweisaufnahme anzufangen. So sei mehr Zeit für die Vorlage zusätzlicher Beweismittel gegeben, begründete der Vorsitzende Richter Achmed Rifaat die Entscheidung.

In Zukunft soll es außerdem keine Live-Übertragungen des Prozesses im Staatsfernsehen mehr geben. Zahlreiche Anwälte der Opfer-Angehörigen, die als Nebenkläger auftreten, würden die Fernsehöffentlichkeit zur Selbstdarstellung missbrauchen und damit die Verhandlung stören.

Mit der Entscheidung, Mubaraks Prozess in Zukunft gemeinsam mit dem gegen Ex-Innenminister Al Adli zu verhandeln, folgte der Richter einer Forderung der Anwälte der Opferfamilien. Al Adlis Prozess war am Sonntag ebenfalls auf den 5. September vertagt worden.

Schon am ersten Prozesstag war Mubarak im Krankenbett liegend erschienen. In der ersten Sitzung hatte er sich für nicht schuldig erklärt. Seit seinem Sturz im Februar wird Mubarak wegen Herzproblemen behandelt.

Richter Achmed Rifaat
Richter Achmed Rifaat verhandelt den Prozess gegen Mubarak.

Alaa und Gamal Mubarak
Mubaraks Söhne Alaa und Gamal (re.) vor Gericht.

Anklage auch gegen Mubaraks Söhne

Dem 83-jährigen Mubarak werden Korruption, Amtsmissbrauch und die Anordnung von Gewalt gegen Regierungsgegner vorgeworfen. Mehr als 800 Demonstranten waren bei Protesten gegen seine Regierung getötet worden. Am 11. Februar war Mubarak schließlich unter dem Druck der wochenlangen Proteste zurückgetreten. Sollte er wegen Mordes schuldig gesprochen werden, droht ihm die Todesstrafe.

Zusammen mit ihrem Vater stehen Mubaraks Söhne Gamal und Alaa wegen illegaler Bereicherung vor dem Richter. Gamal galt lange als Nachfolger seines Vaters im Amt des Präsidenten. Er bekleidete in der Staatspartei NDP den Vorsitz im politischen Ausschuss, außerdem hielt er Verbindung zu den mit dem Regime verbundenen Wirtschaftsführern.

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