Assad lässt weiter auf Oppositionelle schießen

In Syrien geht Präsident Assad offenbar weiter mit brutaler Härte gegen die Opposition vor: Latakia liegt nach Augenzeugenberichten den dritten Tag in Folge unter Beschuss. Auch auf Verletzte werde geschossen. Das Militär erklärt hingegen, gegen bewaffnete Banden vorzugehen.

Von Jens Wiening, ARD-Hörfunkstudio Amman

Latakia liegt nach Berichten von Aktivisten den dritten Tag in Folge unter dem Beschuss des Militärs. Einige Bewohner sollen versuchen zu fliehen, doch sie kommen offenbar nicht durch den Belagerungsring. Ein Aktivist sagte, wenn es so weiter gehe, würden die Menschen irgendwann zu den Waffen greifen und sich wehren.

„Es gibt zahllose Verletzte. Die Krankenhäuser sind voll und können keine Verletzten mehr annehmen“, ergänzte ein Augenzeuge am Telefon. „Einige wollten woanders ärztliche Hilfe suchen – aber die Soldaten haben auf die Verletzten und die Helfer geschossen und sie getötet.“

Hintergrund

Der Machtapparat der Familie Assad
Er galt als arabische Lichtgestalt, als Reformer. Doch angesichts der anhaltenden Proteste zeigt Syriens Machthaber Assad sein wahres Gesicht. Mit brutaler Gewalt geht er gegen die Bevölkerung vor. Befürchten muss er wenig, denn die Armee und die Sicherheitskräfte stehen hinter ihm.

Das Militär geht nach eigenen Angaben in Latakia gegen bewaffnete Banden vor. Dabei seien zwei Sicherheitskräfte getötet worden. Außerdem dementierte die Regierung, Wohnviertel mit Kanonenbooten vom Mittelmeer aus beschossen zu haben. Dies hatten Aktivisten behauptet. Ihre Aussagen werden von Handyvideos untermauert – die Bilder lassen sich aber nicht überprüfen. 

Razzien in Homs

Nicht nur in Latakia, auch in anderen Teilen des Landes ging das Militär offenbar weiter gegen die Opposition vor. In der Provinz Homs soll es Razzien und  Festnahmen gegeben haben, berichteten Augenzeugen. Überprüfen lassen sich die Angaben nicht.

Der syrische Politologe Yasser Saad Aldin sagte, dass internationale Kritik in Syrien weiter abprallt: „Das Regime ignoriert die Kritik aus dem Ausland – und es bekommt nur noch Unterstützung aus Teheran. Gestern hat der Iran ein religiöses Rechtsgutachten herausgegeben, wonach die Unterstützung von Präsident Baschar al Assad eine religiöse Pflicht ist.“ Es sei merkwürdig, dass eine seit 50 Jahren säkulare Partei wie die Baath-Partei in Syrien auf diese Weise aus dem religiösen Teheran unterstützt werde. „Die ganze Situation könnte zu einem religiösen Konflikt werden“, ergänzte er.

Präsident tauscht abermals Gouverneur aus

Assad benannte unterdessen für Aleppo, der zweitwichtigsten Stadt des Landes, einen neuen Gouverneur. Die Hintergründe sind unklar, doch in der Nacht waren in Aleppo nach Augenzeugen zahlreiche Demonstranten unterwegs, die den Sturz der Regierung gefordert hatten. Es ist bereits der vierte Gouverneur, den Assad seit Beginn der Proteste vor fünf Monaten ausgetauscht hat.

In allen Provinzen hatte es zuvor Proteste gegen die Regierung gegeben. Vergangene Woche wechselte Assad sogar seinen Verteidigungsminister. Gerüchten zufolge soll der alte Minister mit dem Vorgehen des Militärs nicht mehr einverstanden gewesen sein.

Original, Google Cache, archive.org

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