Neonazi-Schloss landet nun bei Ebay

Von Wulf Rohwedder, tagesschau.de

Zuerst war der Landkreis Bernburg froh, die schwer verkäufliche Immobilie loszuwerden. Die Freude über den Verkauf des Ladenhüters wich jedoch schnell, als man feststellte, wer das denkmalgeschützte, baufällige Schloss Trebnitz gekauft hatte: Neuer Besitzer war der Würzburger NPD-Funktionär Uwe Meenen. Dieser übertrug schon bald sämtliche Vollmachten an den Rechtsradikalen Steffen Hupka, der ankündigte, in dem Schloss ein „Nationales Zentrum Mitteldeutschland“ einzurichten. Laut Verfassungsschutz sollten unter anderem ein Veranstaltungs- und Konzertsaal, eine Gaststätte, Unterkünfte und eine Bibliothek entstehen.

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Denkmalschutz für Nazi-Zentrum?

Zu diesem Zeitpunkt war es für den Landkreis bereits zu spät, um den Vertrag anzufechten. Zwar konnte wegen einiger Verstöße gegen Denkmalschutz-Auflagen ein Baustopp verhängt werden, dieser hatte jedoch nur vorübergehend Bestand. Verfassungsfeindlichen Aktivitäten, die ein Einschreiten ermöglichen, konnte man dem einschlägig vorbestraften Hupka nicht nachweisen. Man befürchtete sogar, dass öffentliche Denkmalschutzgelder in das Projekt fließen würden, da diese nach dem Gleichstellungsprinzip bei einem berechtigten Antrag gewährt werden müssen.

Zu radikal für die NPD

Hupka war in der NPD als Vorstandsmitglied für die ideologische Schulung zuständig und wurde als deren Spitzenkandidat für die Bundestagswahl in Sachsen-Anhalt aufgestellt. Schon bald wurde der einschlägig Vorbestrafte sogar seinen Parteikameraden zu radikal: Vor drei Jahren verhängte der Parteivorstand ein Auftritts- und Redeverbot gegen Hupka und schloss ihn aus der Partei aus. Hupka bezeichnete seine ehemalige Partei im Gegenzug als „feindliche Organisation“ und systemtragende Kraft.

Die Unterstützung blieb aus

Auf Schloss Trebnitz passierte zunächst einmal – nichts. Zwar bemühte sich Hupka laut dem Verfassungsschutz von Sachsen-Anhalt um Geld- und Sachspenden, auch rief er in der rechtsextremen Szene zu Arbeitseinsätzen auf. Aufgrund der Zerwürfnisse mit den ehemaligen Kameraden blieb die Unterstützung weitgehend aus.

Ein ominöser Brand

Das Schloss rottete bis zum Frühjahr 2003 vor sich hin, als plötzlich ein Brand in einem besonders sanierungsbedürftigen Teil des Gebäudes ausbrach, in dem zu dem Zeitpunkt gerade Gasflaschen gelagert wurden. Zwar gab es ein Bekennerschreiben einer vorher nicht bekannten „Antifaschistischen Gruppe“, die Polizei ermittelte jedoch nach eigenen Angaben „in alle Richtungen, vom linksextremistischem Anschlag, Nachbarschaftsstreit bis zum Versicherungsbetrug“.

Der letzte Ausweg

Im Februar letzten Jahres wurde der Traum vom „Nationalen Zentrum Mitteldeutschland“ offenbar endgültig begraben – das schreibt zumindest der Verkäufer „wortundwerk“, der Schloss Trebnitz auf Ebay anbietet. Zuvor hatte er auf der Auktionsplattform bereits erfolgreich ein defektes Blech-Spielzeugauto sowie eine Platte des schwarzen Jazz-Organisten Jimmy Smith veräußert.

Mit einem Kaufpreis von 235.000 Euro soll das Objekt gut das Vierfache seines Einstandspreises von 100.000 DM (ca. 51.000 Euro) erzielen. Laut „wortundwerk“ stehen Architekt, Bauleiter und andere nach wie vor bereit, falls jemand das Seminarzentrum doch noch bauen möchte. Und auch wenn das Projekt noch einmal scheitern würde – für einen möglichen schnellen Abgang ist gesorgt: „2003 wurde ein alter Fluchtgang mit Gewölbe entdeckt.“

Original, Google Cache, archive.org

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