Vorreiter bei Gaza-Rückzug und Likud-Austritt

Ehud Olmert gilt als einer der engsten Vertrauten des israelischen Ministerpräsidenten Ariel Scharon. Olmert hatte zuletzt häufig die Vorreiterrolle für die politischen Pläne des Regierungschefs übernommen. So war er der Erste, der einen Abzug aus dem Gaza-Streifen ankündigte.

Olmert, ein Sohn russischer Einwanderer, hat in den vergangenen Jahren den Wandel von einem rechtsorientierten Verfechter von Groß-Israel zu einem moderateren Politiker vollzogen, der für die Gründung eines Palästinenserstaates auf einem Großteil des Westjordanlands und Gaza-Streifens eintritt. Olmert gilt auch als einer der treibenden Kräfte hinter dem Ausscheiden Scharons aus der Likud-Partei und der Gründung der neuen Partei Kadima.

Ausbildung als Jurist

Geboren wurde Olmert am 30. September 1945 nahe Binjamina, nördlich von Tel Aviv. In der Armee diente er in einer Eliteeinheit, danach als Militärjournalist. Nach einem Studium der Psychologie, Philosophie und Jura in Jerusalem arbeitete er zunächst als Anwalt. 1973 wurde Olmert als damals jüngster Abgeordneter zum ersten Mal ins Parlament gewählt. 1988 übernahm er als Minister für Minderheiten das erste Mal ein Ministeramt. Später wurde er Gesundheitsminister.

Zehn Jahre lang Bürgermeister von Jerusalem

Im November 1993 gewann er die Bürgermeisterwahlen in Jerusalem und löste den weltweit bekannten Teddy Kollek als Bürgermeister von Jerusalem ab. Während seiner Amtszeit geriet er unter anderem wegen jüdischer Bauprojekte im arabischen Ostteil der Stadt in internationale Kritik. Er sprach sich dabei stets dafür aus, die ganze Stadt unter israelischer Kontrolle zu behalten und wies Forderungen nach der Gründung einer palästinensischen Hauptstadt im Ostteil zurück. Von diesem Standpunkt ist er inzwischen abgerückt.

Weltlich und pragmatisch

2003 trat Olmert als Bürgermeister zurück und übernahm in der Regierung Scharons zunächst das Amt des Handelsminister, bevor er im vergangen Jahr nach dem Rücktritt von Benjamin Netanjahu Finanzminister wurde. Olmert galt in den vergangenen Jahren als Mitglied des „linken“ Flügels der Likud-Partei. Er hat sich für einen Abzug Israels aus einem Großteil der Palästinensergebiete ausgesprochen.

Olmert gilt machtbewusster, weltlich ausgerichteter Pragmatiker. Im Vergleich zu Scharon wirkte er häufig farblos. Olmert ist mit einer in Israel populären Malerin und Drehbuchautorin verheiratet – die politisch eher links steht. Das Paar hat vier Kinder, zwei Söhne und zwei Töchter.

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