Weltwirtschaftskrise durch Klimawandel?

Durch die Erwärmung der Erdatmosphäre drohen der Weltgemeinschaft nach einer neuen Klimastudie größere wirtschaftliche Schäden, als sie von den beiden Weltkriegen zusammen verursacht wurden. Der in London vorgestellte Bericht des ehemaligen Weltbank-Chefökonomen Nicholas Stern beziffert die möglichen Kosten des Klimawandels auf 5,48 Billionen Euro. Nichthandeln gegen den Klimawandel könne eine neue Weltwirtschaftskrise auslösen, warnte Stern.

Seinem Bericht zufolge kann sich die Erde in den nächsten 100 Jahren um durchschnittlich bis zu fünf Grad erwärmen, wenn nichts gegen den Treibhauseffekt unternommen wird. Die Folgen wären verheerende Sturmfluten und extreme Dürren, die an die 200 Millionen Menschen obdachlos machen könnten. „Dringendes Handeln ist erforderlich, weil der Ausstoß von Treibhausgasen rasch ein gefährliches Ausmaß erreicht“, heißt es in dem Bericht.

Blair setzt auf Kyoto-Nachfolge-Abkommen

Der britische Premierminister Tony Blair forderte in London bei der Vorstellung des Berichts ein entschiedenes Umsteuern in der Umweltpolitik. Blair rief zu verstärkten Anstrengungen gegen den Ausstoß von Klimagasen auf, die unter anderem aus Kohle- und Ölkraftwerken sowie Autos kommen. Die wissenschaftlichen Belege für einen Zusammenhang zwischen dem Ausstoß von Treibhausgasen und dem Klimawandel seien erdrückend, sagte Blair.

Die britische Regierung setzt auf eine Nachfolgevereinbarung zum Kyoto-Protokoll von 1997. Darin will London auch die Vereinigten Staaten – den größten Verursacher von Treibhausgasen – sowie aufstrebende Wirtschaftsmächte wie China und Indien einbeziehen. US-Präsident George W. Bush war mit der Begründung aus dem Kyoto-Prozess ausgestiegen, das Abkommen gefährde US-Arbeitsplätze und nehme Entwicklungsländer nicht ausreichend in die Pflicht.

Ausstoß von Treibhausgasen steigt weiter an

Eine neue Studie des UN-Klimasekretariats belegt unterdessen, dass der Ausstoß von Treibhausgasen in den Industrieländern ungeachtet der Klimaschutzziele von Kyoto erneut zugenommen hat. Allerdings ist die Entwicklung in den einzelnen Ländern höchst unterschiedlich. Während zum Beispiel in Deutschland die Emissionen zwischen 1990 und 2004 um 17,2 Prozent sanken, wuchsen sie in den USA von 1990 bis 2004 um 15,8 Prozent. Die stärkte Zunahme verzeichneten zwischen 1990 und 2004 die Türkei (plus 72,6 Prozent), Spanien (plus 49 Prozent) und Portugal (plus 41 Prozent). Nicht berücksichtigt in dem UN-Report sind die Emissionen aus Boomstaaten wie China und Indien, die nicht Mitglied der UN-Klimakonvention sind.

UN-Klimasekretär Yvo de Boer forderte die Staaten auf, ihre Anstrengungen zur Umsetzung wirksamer Klimaschutzmaßnahmen zu verstärken. Besonders im Transportwesen seien Verringerungen der Treibhausgase dringend notwendig, sagte de Boer. In diesem Sektor hätten die Emissionen zwischen 1990 und 2004 weltweit um 23,9 Prozent zugenommen, im internationalen Luftverkehr sogar um 52 Prozent.

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