Kritik an „Holocaust-Konferenz“

In Irans Hauptstadt Teheran wird auf Einladung der Staatsführung über den Holocaust debattiert. Über das wahre Ausmaß der Judenvernichtung während des Nationalsozialismus solle gesprochen werden. Kritik kommt nicht nur von internationaler Seite.

Von Ullrich Pick, ARD-Hörfunkstudio Istanbul

Offiziell soll die Konferenz ein freies wissenschaftliches Forum sein, welches das wahre Ausmaß der Judenermordung durch die Nazis erkunden will. Nach Angaben des iranischen Außenministeriums nehmen mehr als 60 ausländische Gäste aus über 30 Ländern teil, darunter auch zwei Deutsche. Hierbei soll es sich, wie Vizeaußenminister Mohammadi vor der Konferenz betonte, um Forscher handeln und nicht um Neo-Nazis. Nach Informationen des ARD-Hörfunks ist aber zumindest einer der beiden im Internet bereits als Holocaust-Leugner aufgetreten. Zudem soll noch ein halbes Dutzend Deutscher aus der rechtsradikalen Szene mit einem Touristenvisum eingereist sein.

„Beleidigung aller Juden in der ganzen Welt“

Die Konferenz ist auf Initiative von Staatspräsident Mahmud Ahmadinedschad ins Leben gerufen worden. Dieser hatte den Holocaust zur großen Empörung der westlichen Welt wiederholt als „Mythos“ bezeichnet. Gegen diese Äußerungen hat jetzt auch Maurice Motamed, der einzige jüdische Abgeordnete im Teheraner Parlament protestiert und die Konferenz als eine Beleidigung aller Juden nicht nur in Iran, sondern in der ganzen Welt bezeichnet. „Man kann ja die israelische Regierung kritisieren oder den Staat Israel nicht anerkennen, aber die Holocaust-Opfer für politische Zwecke zu missbrauchen ist einfach nur sehr traurig“, sagte Motamed. Die 25.000 in Iran lebenden Juden gelten als gesetzlich geschützte religiöse Minderheit ähnlich wie Christen und die Zoroastrier.

Protest von deutscher Seite

Von deutscher Seite hat inzwischen Bundestagspräsident Norbert Lammert in einem Brief an Ahmadinedschad gegen die Veranstaltung protestiert. Es sei nicht hinnehmbar, so der CDU-Politiker, unter dem Vorwand wissenschaftlicher Freiheit und Objektivität antisemitischer Propaganda ein öffentliches Forum zu geben. Bereits am Freitag hatte ein Sprecher des Auswärtigen Amtes davor gewarnt, den Völkermord an den Juden in Frage zu stellen. Die Bundesrepublik Deutschland empfinde es als ihre historische Verantwortung und ihre besondere Pflicht, das Andenken an die Opfer des Nationalsozialismus zu wahren. Proteste kamen aus den USA und Israel.

Ahmadinedschad von Studenten gestört

Unterdessen ist es in Teheran erstmalig seit seiner Amteinführung im August vergangenen Jahres zu öffentlichen Protesten gegen Staatspräsident Ahmadinedschad gekommen. An der Amir-Kabir-Universität versuchten mehrere Dutzend Studenten, die Ansprache des Regierungschefs zu unterbrechen. Die 50 bis 60 Personen skandierten Sprüche wie „Tod dem Diktator“ und „Es gibt keine Meinungsfreiheit“. Ein Teil von ihnen versuchte sie das Redner-Podium zu stürmen, ein anderer Teil zündete Feuerwerkskörper und Porträts des Präsidenten an. Infolge der Aktionen polarisierten sich die zuhörenden Studenten in Gruppen für und gegen ihren Präsidenten.

Die aufflackernden Proteste sind die Fortsetzung von Demonstrationen, die bereits am Donnerstag bekommen hatten. Am 7. Dezember wird an iranischen Universitäten alljährlich dreier Studenten gedacht, die bei anti-amerikanischen Protesten 1953 umkamen.

Original, Google Cache, archive.org

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