Ermittler fahnden nach Hintermännern

Nachdem es den Behörden gelungen ist, geplante Terroranschläge islamistischer Extremisten in Deutschland zu verhindern, suchen die Fahnder jetzt nach den Hintermännern. Die Bundesanwaltschaft sucht nach sieben weiteren Verdächtigen. Nach ARD-Informationen sind fünf der Verdächtigen auch namentlich bekannt, von zweien ist lediglich ein Alias-Name bekannt. Diese beiden hielten sich auch im Ausland auf. Bei den Gesuchten handelt es sich offenbar überwiegend um Deutsche.

Zwei Konvertiten unter den mutmaßlichen Tätern

Drei Männer, zwei zum Islam übergetretene Deutsche und ein Türke, waren am Dienstag in einem Ferienhaus in dem Dorf Medebach-Oberschledorn im Sauerland festgenommen worden. Als Rädelsführer der Gruppe gilt der 28-jährige Fritz G. Er soll an den Fachhochschulen Ulm und Neu-Ulm Wirtschaftsingenierswesen studiert haben. Getrieben worden seien die mutmaßlichen Täter vor allem vom „Hass auf amerikanische Staatsbürger“, so BKA-Chef Jörg Ziercke. Er betonte die Entschlossenheit der Festgenommenen: Nicht nur, dass die Männer offenbar mehrere zeitgleiche Anschläge geplant hatten, um möglichst viele Menschen zu töten oder zu verletzen – die Kraft der Explosionen hätte auch die Anschläge von Madrid und London in den Schatten gestellt.

Im Zentrum der Ermittlungen steht nun eine deutsche Zelle der „Islamischen Dschihad Union“, die nach Einschätzung der Bundesanwaltschaft auch Verbindungen zum Terrornetzwerk Al Kaida hat. Die drei Festgenommen sollen in Terrorcamps in Pakistan ausgebildet worden sein und professionell agiert haben.

Pakistans dementiert Existenz von Terrorlager

Das pakistanische Außenministerium wies die Vermutung zurück. „Hier gibt es keine terroristischen Trainingslager, weder von Al Kaida noch von sonst jemanden“, erklärte die Sprecherin des Außenministerium. Der pakistanische Terrorismusexperte Ismaeel Khan hingegen erklärte, dass es in schwer zugänglichen Gebieten Pakistans sehr wohl solche Lager existierten. Viele der Kämpfer seien in den 1980er Jahren vom pakistanischen und US-amerikanischen Geheimdienst im Kampf gegen die Sowjettruppen in Afghanistan trainiert worden. „Dieses Wissen geben sie jetzt weiter“, sagte Khan.

Zugriff nach monatelanger Beobachtung

Die Ermittler hatten in einer der größten Polizeiaktionen der Nachkriegsgeschichte die Terrorzelle ausgehoben. Vorausgegangen waren nach Angaben der Bundesanwaltschaft monatelange Ermittlungen. Die Beamten griffen schließlich zu, weil sich die Verdächtigen möglicherweise absetzen wollten. Die Gruppe sei wohl wegen einer Polizeikontrolle nervös geworden und sah ihre Anschlagsvorbereitungen gefährdet, sagte BKA-Chef Ziercke dem Bayerischen Rundfunk. Nach Abwägung des Risikos, dass die Gruppe ganz untertauchen könnte, habe man sich zum Zugriff entschlossen.

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