Zwischen Werbemillionen und Sporthysterie

Die Werbespots kosten 2,7 Millionen Dollar für 30 Sekunden, schäbige Motels verlangen 600 Dollar und Häuser in Stadionnähe werden für 10.000 Dollar die Woche vermietet: Die USA stehen Kopf – wie in jedem Jahr zum Super Bowl.

Von Martina Buttler, ARD-Hörfunkstudio New York

Hat der Freund von Giselle Buendchen, der Quarterback bei den New England Patriots, einen kaputten Fuß? Was ist der beste Snack, den man schnell nachfüllen kann? Und wer im Freundeskreis hat den Fernseher mit dem größten Bildschirm? Die ganzen USA sind im Super-Bowl-Fieber. Besonders in New York und Neuengland, wo die Teams herkommen, gibt es seit einer Woche kaum ein anderes Thema. Ein ganzes Land fiebert mit – aber auch für die Spieler bedeutet das amerikanische Sportevent des Jahres ein ganz besonderes Kribbeln: „Es ist ein bisschen surreal“, sagt einer von ihnen bei der Ankunft am Flughafen Phoenix. „Mann, das ist der Super Bowl. Das ganze Jahr willst Du hierher. Aber jetzt hier anzukommen und die Treppen aus dem Flieger runterzukommen, ist ziemlich unwirklich.“

Ein Tag, an dem die Kassen klingeln

Die Football-Fans stehen Kopf – ein Champions-League-Finale ist ehrlich gesagt nichts dagegen. Logistik ist alles: „Entscheidend ist, dass das Essen vorher fertig ist, damit man die phantastische Werbung nicht verpasst“ lautet der Tipp der Experten. Denn da bringen Coca Cola und Co die kreativsten Spots an den Start. Super Bowl – ein Tag, an dem die Kassen klingeln. Für Kneipen und Fernsehsender – ein 30-sekündiger Werbespot kostet 2,7 Millionen Dollar. Budweiser-Brauer Anhaeuser-Busch hat am kräftigsten zugelangt und für 16 Millionen Dollar Werbeminuten geschaltet.

Der Bierdurst der erwarteten 94 Millionen Zuschauer wird damit sicher angekurbelt. Die Kneipen in New York sind schon in den Startlöchern, ein Wirt freut sich bereits: „Hier können die Leute herkommen und einfach abhängen. Die New Yorker sollen alle herkommen und ihr Geld hierlassen. So ein Wochenende kommt nur einmal im Leben – die Giants sind im Super Bowl!“

Auf einmal hat man nur noch beste Freunde

Wer das Glück hatte, eines der 73.000 Tickets im Stadion zu ergattern, muss auf jeden Fall ein paar Tausend Dollar für diese Wochenendsause rechnen. Die Tickets sind dabei noch das Geringste. Flüge nach Phoenix liegen im Bereich von 2000 bis 3000 Dollar, und Häuser werden für die Super-Bowl-Woche für bis zu 10.000 Dollar vermietet. Selbst die schäbigsten Motels fordern 600 Dollar und mehr.

Und wer in Phoenix wohnt, ist überrascht, wieviele Freunde er auf einmal hat: „Ständig klingelt das Telefon und es sind Leute dran, die meinen, sie seien meine besten Freunde“, erzählt ein junger Mann von der wundersamen Vermehrung seines Freundeskreises. Es ist halt Super Bowl – der Tag, an dem ein ganzes Land Kopf steht.

Original, Google Cache, archive.org

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