Wer wollte den Premier und den Präsidenten töten?

Nach den versuchten Mordanschlägen auf den Präsidenten und den Premier von Osttimor herrscht in der Hauptstadt Dili gespannte Ruhe. Die Suche nach den Drahtziehern hat begonnen. Der Weltsicherheitsrat verurteilte den Anschlag.

Von Bernd Musch-Borowska, ARD Hörfunkstudio Südasien

Angespannte Ruhe in Dili, der Hauptstadt von Osttimor. Nach den Schüssen auf Präsident José Ramos-Horta gestern morgen hat die Regierung den Ausnahmezustand erklärt und eine nächtliche Ausgangssperre verhängt. Gepanzerte Fahrzeuge patrouillieren in den Straßen. Die internationalen Sicherheitskräfte in Ost-Timor wurden in erhöhte Alarmbereitschaft versetzt. Sie werden heute von 200 weiteren Polizisten und Soldaten aus Australien verstärkt.

Australiens Außenminister Stephen Smith sprach im Fernsehen von einem schweren Anschlag auf die Demokratie in Ost-Timor und einem „gezielten Versuch“, den Präsidenten und den Premierminister zu töten – „die beiden wichtigsten Personen“ der erst vor kurzem gewählten politischen Führung des Landes. „Es ist schockierend, dass so etwas geschehen konnte und deshalb haben wir auch sofort reagiert, denn hier sollte die gesamte politische Führung des Landes ausgeschaltet werden“, sagte er.

Schüsse in Bauch und Lunge

Präsident Ramos-Horta wurde von Schüssen in den Bauch und die Lunge schwer verletzt und zur Behandlung nach Australien geflogen. Auch auf Premierminister Xanana Gusmao wurde geschossen, als dieser gerade in einer Wagenkolonne sein Haus verließ. Er konnte jedoch unverletzt entkommen.

Die genauen Hintergründe und Umstände der Schießerei werden noch untersucht. Unklar ist unter anderem, ob Präsident Ramos-Horta hinterrücks niedergeschossen wurde oder ob er sich mit dem Rebellenführer Alfredo Reinado an seinem Haus getroffen hatte, um mit ihm zu verhandeln.

Australiens Außenminister Smith sagte, Ramos-Horta habe immer klar gemacht, dass er Verhandlungen mit Reinado bevorzugte. Vor einigen Monaten habe die Regierung von Osttimor den internationalen Sicherheitskräften zu verstehen gegeben, dass sie mit Reinado verhandeln will. Deshalb wurde die Suche nach ihm eingestellt.

Suche nach den Hintermännern

Rebellenführer Reinado, der auch den Anschlag auf Ramos-Horta geleitet hatte, war gestern von den Leibwächtern des Präsidenten erschossen worden. Wichtig sei jetzt, nach den Hintermännern des Anschlags zu suchen, sagte der australische Timor-Experte Damien Kingsbury von der Deakin-Universität: „Man muss jetzt herausfinden, wer Reinado finanziert hat. Es ist ziemlich offensichtlich, dass er aus einer politisch hochrangigen Quelle in Dili Geld und Ausrüstung bekommen hat. „

Der frühere Major Reinado gehörte zu rund 600 Soldaten, die vor zwei Jahren wegen Meuterei aus der Armee entlassen worden waren. Die Rebellen hatten danach Polizeistationen überfallen und Waffen erbeutet – und wurden seitdem von den internationalen Sicherheitskräften gesucht.

Der UN-Sicherheitsrat verurteilte den Anschlag auf den Präsidenten von Osttimor und Friedensnobelpreisträger Ramos-Horta. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier drückte in einem Telegramm an Premierminister Gusmao seine Betroffenheit darüber aus, dass gerade diejenigen, deren ganzer persönlicher Einsatz der Bevölkerung von Osttimor und ihrer Zukunft gelte, zum Ziel dieser menschenverachtenden Tat geworden seien.

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