Buddeln verboten

Eigentlich gilt ja das deutsche Baurecht als eines der komplexesten und am wenigsten nachvollziehbaren Regelwerke – jetzt schickt sich jedoch die Gemeinde Isle of Palms im US-Bundesstaat South Carolina an, diesen Rekord zu brechen: Der Gemeinderat plant, den Bau von Sandburgen am örtlichen Strand zu regulieren, berichtet der „Charleston Post and Courier“.

Der Gemeinderat hat in erster Lesung eine Verordnung beschlossen, nach der Sandskulpturen nicht unbeaufsichtigt am Strand verbleiben dürfen. Ihre Erbauer sind angewiesen, diese zu planieren, sobald sie diese nicht mehr persönlich bewachen können – andernfalls drohen Strafen zwischen 128 und 500 US-Dollar (80 bis 315 Euro).

Die Polizei: erst meckern, dann kneifen

Die örtliche Polizei gibt jedoch zu bedenken, dass die Regel nur schwer durchzusetzen sei: Da für Sandburgen am Strand von Isle of Palms (noch) keine Baugenehmigungen beantragt werden müssen, müssten die Ordnungshüter den gesamten Bauprozess samt dem unerlaubten Verlassen der Baustelle beobachten, um die möglichen Übeltäter dingfest zu machen. Dabei war es ausgerechnet der Fehltritt eines Polizeibeamten, der die Sachen ins Rollen brachte: Dieser war im Dunkeln in ein Sandloch getreten und hatte sich den Knöchel verstaucht, was die Gemeinde auf den Plan brachte.

Das könnte schief gehen

Eventuell wirkt sich die Verordnung nachteilig auf das Tourismusgeschäft der Gemeinde aus: Schon jetzt drohen Strandbesucher mit Boykott, wenn die Regeln eingeführt werden sollten Bisher ist zudem noch ist offen, was mit dem jährlichen Sandburgenwettbewerb geschieht, der in Isle of Palms stattfindet. Die Verwaltung vom benachbarten Folly Beach hat allen Sandarchitekten bereits Asyl angeboten und lockt mit dem Versprechen, dass auf dem eigenen Strand sogar Alkohol konsumiert werden darf.

Erst mal abwarten und durchatmen

Schon jetzt sieht sich Bürgermeister Mike Sottile gezwungen, zurückzurudern: Auf der Website der Gemeinde erklärt er, dass nur besonders extreme Fälle verfolgt werden sollen  und zeigt auch gleich ein abschreckendes Beispiel. Der Entwurf der Verordnung werde zur Zeit überarbeitet und solle noch klarer formuliert werden, bis er zur endgültigen Abstimmung gelangt. Bis dahin ist man jedenfalls in Isle of Palms vor dem Arm des Gesetzes sicher – auch wenn man mit Eimerchen und Schaufel bewaffnet angetroffen wird.

Original, Google Cache, archive.org

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