Simbabwe steht offenbar vor einer Stichwahl

Simbabwes Präsident Mugabe denkt nicht ans Aufgeben. Ein Regierungsmitglied verkündete, Mugabe werde „bis zum Letzten kämpfen“ – und sich auch einer Stichwahl stellen. Gut möglich, dass Simbabwe unmittelbar vor einem weiteren hitzigen Wahlkampf steht.

Von Claus Stäcker, ARD Johannesburg

Auf zum letzten Gefecht – in Simbabwe stehen die Zeichen auf Sturm: Darf man den Regierungsquellen trauen, dann denkt Dauerpräsident Robert Mugabe trotz seiner Niederlage bei der ersten Runde der Präsidentenwahl nicht ans Aufgeben, sondern rüstet sich für eine Stichwahl. Vizeinformationsminister Bright Matonga: „Mugabe gibt nicht auf, er ist im Land und kämpft bis zum Letzten – er hat die Wahl noch nicht verloren. Die Zanu-PF führt bei den Meinungsumfragen und wenn wir das in Stimmen ummünzen, werden wir die Stichwahl gewinnen. Wir werden hart kämpfen, um die erforderliche Mehrhheit zu erringen.“

Inzwischen gehen immer mehr Beobachter von einer Stichwahl aus, offizielle Ergebnisse liegen aber immer noch nicht vor. Auch die Resultate von den Kommunal- und Senatswahlen sind noch nicht verkündet. Wann die staatliche Wahlkommission endlich damit herausrückt, wissen nicht mal die Wahlbeobachter des Panafrikanischen Parlaments.

Viele Wahlbeobachter sind bereits abgereist

Viele von ihnen sind bereits abgereist. Mugabe kann das nur Recht sein. Heute war er kurz mit dem sierra-leonischen Ex-Präsidenten Kabbah im Fernsehen zu sehen, Mugabe habe ruhig und entspannt gewirkt, meinte Kabbah nach der Begegnung. Man muss also davon ausgehen, dass der 84-Jährige weiter Zeit schindet, um das Regierungslager auf eine politische Entscheidungsschlacht einzuschwören. Vizeminister Matonga jedenfalls lässt daran keinen Zweifel: „Im Wahlkampf der Opposition wurde ja nicht etwa für Demokratie gekämpft, sondern für einen Regierungswechsel, finanziert von den Briten und Amerikanern. Es ging darum, Mugabe loszuwerden – um jeden Preis. Und dagegen werden wir kämpfen bis zuletzt. Und am Ende werden wir diesen Kampf gewinnen.“

Matonga kündigte an, alle Parteireserven dafür zu mobilisieren. Simbabwe steht also, sollten sich die Prognosen bestätigen, vor einem äußerst hitzigen und spannungsgeladenen Wahlkampf. Binnen 21 Tagen muss die Stichwahl stattfinden, Termin wäre also der 19. April. Die Opposition hat die Parlamentswahlen gewonnen und sich auch schon zum Sieger der Präsidentenwahl erklärt. Ihre Zahlen sahen Morgan Tsvangirai mit 50,3 Prozent vorn. Mugabe kam danach auf 43,8 Prozent. Der Drittplatzierte, Ex-Finanzminister Simba Makoni, kam auf sieben Prozent. Er kündigte heute an, bei einer Stichwahl Tsvangirai zu unterstützen. Und auch die MDC scheint für den zweiten Wahlgang gerüstet: „Wir würden es akzeptieren, aber nur unter Protest“, sagte Generalsekretär Tendai Biti. Denn es würde nur hinauszögern, was unausweichlich ist.

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