Nepal schirmt Mount Everest ab

Es ist die wohl spektakulärste Station des Fackellaufs: In den nächsten Tagen soll die olympische Flamme auf den höchsten Gipfel der Erde getragen werden. Aus Angst vor Protesten hat neben China auch Nepal das Bergsteigen am Mount Everest untersagt.

Von Christoph Heinzle, ARD-Hörfunkstudio Neu-Delhi

Auf der nepalesischen Seite des Mount Everest scheinen die Bedenken fast noch größer zu sein als auf der chinesischen. China brachte fast 30 Journalisten ins Basislager auf tibetischer Seite, um über den Gipfelsturm der olympischen Fackel zu berichten. Nepal dagegen wünscht keinerlei Öffentlichkeit am höchsten Berg der Welt. Der Gipfel wird weiträumig abgeschirmt. Bergsteiger dürfen ihre Satellitentelefone nicht benutzen. Ein BBC-Team wurde abgedrängt.

Journalisten zum Abstieg gezwungen

Nach nur wenigen Stunden im Everest-Basislager sei er am Montag von den nepalesischen Behörden zum Abstieg gezwungen worden, berichtete BBC-Korrespondent Charles Haviland. Keinerlei Video-und Tonaufnahmen, keinerlei Gespräche seien im Basislager erlaubt worden, klagte der Journalist. Der chinesische Botschafter habe das Lager vor einigen Tagen mit Nepals Militär zusammen besucht, um die Sicherheitslage zu erkunden. „Die chinesische Regierung macht wirklich Druck auf Nepal, keinerlei Unruhen zuzulassen, während die olympische Fackel auf der chinesisch-tibetischen Seite hochgetragen wird“, so Haviland.

Bis zum 10. Mai ist Nepals Bergseite gesperrt

Bis zum 10. Mai darf niemand auf Nepals Seite die letzten 2000 Meter hinauf zum Gipfel. Bis dahin soll die olympische Flamme den Mount Everest passiert haben. Damit nichts Ungeplantes passiert, hat Nepal seine Sicherheitskräfte verstärkt. Auch um expeditions-erfahrene Polizisten, sagt Raj Dotel, der Sprecher des Innenministeriums. Wie viele im Einsatz sind, verrät er im ARD-Hörfunkinterview nicht. Was genau mit Demonstranten passieren könnte ebensowenig. Nur so viel berichtet er: „Die Sicherheitskräfte können die Gewalt anwenden, die nötig ist. Aber die nepalesische Regierung hat angeordnet, nur minimale Gewalt auszuüben.“ Dazu, so der Sprecher des Innenministeriums, habe die Regierung klargestellt, „dass es keinen Schießbefehl gibt. Wir haben an alle appelliert, nichts Gesetzeswidriges zu tun. Und wir erwarten keine Demonstrationen.“

US-Bergsteiger abgeschoben

Doch den ersten Zwischenfall gab es bereits. Vergangene Woche wurde bei einem US-Bergsteiger am Mount Everest ein Pro-Tibet-Banner entdeckt. Sicherheitskräfte nahmen den Amerikaner fest. Inzwischen wurde er des Landes verwiesen und mit einer zweijährigen Sperre für Nepals Berge belegt. „Dieser Vorfall hat uns alle sehr nervös gemacht“, sagt Zimba Zangbu Sherpa, der Präsident des nepalesischen Bergsteigerverbandes. „Es scheint Leute zu geben, die dieses Ereignis nutzen wollen, um ihre politischen Ansichten kundzutun. Ich bin überzeugt, dass die Sicherheitsvorkehrungen nun viel strenger sein werden.“

Exiltibeter: Chance der Aufmerksamkeit nutzen

Politik und Sport sollten nicht vermischt werden, meint Sherpa. Doch viele Exil-Tibeter in Nepal protestierten vor allem in der Hauptstadt Kathmandu in den vergangenen Wochen immer wieder gegen den Fackellauf und die Tibet-Politik Chinas. Hunderte Demonstranten wurden von der Polizei verprügelt und festgenommen. Niemand will deshalb über konkrete Aktionen am Mount Everest sprechen. „Wir planen nichts. Alle Proteste und Demonstrationen ergeben sich aus dem Zeitpunkt und der Lage“, sagt der Exiltibeter Tenzing. „Doch die ganze Welt schaut derzeit auf China. Deshalb nutzen wir diese Gelegenheit. Eine solche goldene Gelegenheit kommt nur einmal im Leben.“  

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