Papst trifft Opfer sexuellen Missbrauchs

Bei der Abschlussmesse des Weltjugendtages hat Papst Benedikt XVI. vor hunderttausenden Gläubigen dazu aufgerufen, den christlichen Glauben zu verbreiten und sich gegen Abtreibungen zu stellen. Beim Weltjugendtag in Australien „haben wir alle eine unvergessliche Erfahrung der Gegenwart des Heiligen Geistes gemacht“, sagte der Papst bei der Messe. Nun sollten die Pilger „Boten der Liebe“ werden. Er prangerte eine „falsch verstandene Freiheit“ in der Welt an. „In so vielen unserer Gesellschaften breitet sich mit dem materiellen Wohlstand eine geistige Wüste aus, eine innere Leere, eine ungenannte Furcht, eine stille Ahnung der Hoffnungslosigkeit“, sagte das Kirchenoberhaupt. Der Glaube an Christus aber helfe einem dabei, sein Leben auf einem festen Fundament aufzubauen.

Weniger Gläubige als erwartet

Nach Schätzungen nahmen an der Abschlussmesse rund 400.000 Menschen teil – deutlich weniger als erwartet. Die Veranstalter waren zuvor von einer halben Million ausgegangen. Rund 200.000 hatten die Nacht unter freiem Himmel auf der Rennbahn von Randwick verbracht, wo die Messe stattfand. Am Ende des Gottesdienstes gab der Papst bekannt, dass der nächste Weltjugendtag im Jahr 2011 in der spanischen Hauptstadt Madrid stattfinden wird.

Treffen mit Missbrauchsopfern

Kurz vor seiner Abreise traf Benedikt Opfer sexuellen Missbrauchs durch Priester. Er lud eine kleine Gruppe von Opfern und Vertreter von Opferverbänden in Sydney zu einer privaten Messe ein und hörte ihnen zu, als sie über ihre Erfahrungen berichteten. Er habe ihnen Trost ausgesprochen und versprochen, für sie und ihre Familien zu beten. Der Papst war erstmals persönlich mit Opfern bei seiner USA-Reise im Frühjahr zusammengetroffen. „Durch seine väterliche Geste wollte der Heilige Vater erneut seine Tiefes Mitgefühl für alle demonstrieren, die sexuell missbraucht worden sind“, teilte der Vatikan in einer Stellungnahme mit.

Mit dem Treffen erfüllte Papst Benedikt eine der Hauptforderungen der Opferverbände, nachdem er sich am Samstag zu Fällen von sexuellem Missbrauch durch australische Priester geäußert hatte. Benedikt XVI. verurteilte die Vorfälle scharf, vermied aber das Wort Entschuldigung. Vertreter von Opferorganisationen forderten danach vom Papst weitergehende Schritte. Die Betroffenen „wollen Handlungen sehen, nicht nur Worte“, heißt es in einer Erklärung der Organisation Broken Rites. Benedikt XVI. müsse die Bischöfe in Australien anweisen, sich nicht länger gegen eine zivilgerichtliche Verfolgung der Missbrauchsfälle zu stellen.

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