Eine reife Leistung

Höher, schneller, weiter! Bei den Olympischen Spielen in China werden wieder tausende Athleten um die Medaillen kämpfen. Für den Japaner Hiroshi Hoketsu ist schon allein die Teilnahme ein Rekord. Nach 44 Jahren Pause startet der Dressurreiter nun als ältester Sportler wieder bei den Spielen.

Von Peter Kujath, ARD-Hörfunkstudio Tokio

Man sieht ihm sein Alter nicht an. Aber bei den Olympischen Spielen in China wird er mit 67 Jahren und vier Monaten der älteste Athlet sein. Hiroshi Hoketsu hat ein ausdrucksstarkes Gesicht mit wenigen Falten und einem entschlossenen Blick.

Sein erster und bisher einziger Auftritt bei olympischen Spielen liegt bereits 44 Jahre zurück. Damals mit 23 Jahren war er Mitglied der japanischen Springreiter-Equipe bei den Olympischen Spielen in seiner Heimatstadt Tokio. Das war 1964. Seitdem hat sich viel verändert. Nicht aber die Liebe Hoketsus zu seinen Pferden.

Erst in den Stall – dann an den Schreibtisch

Nach dem Studium an der japanischen Elite-Universität Keio und einem Auslandsaufenthalt an der Duke University in den USA wurde er Mitarbeiter bei Ortho Diagnostic, der japanischen Tochterfirma eines großen US-Pharmazieherstellers. 2003 ging Hoketsu als Präsident von Ortho Diagnostic in Pension.

Im Berufsleben hatte er alles erreicht, jetzt suchte er nach neuen Herausforderungen. Jahrzehntelang war er morgens vor der Arbeit in einem Stall in Yokohama gewesen und hatte trainiert, ehe er weiter ins Büro fuhr. „Ich habe mich nach der Pensionierung gefragt, was ich wirklich machen will“, so Hoketsu, „und mich dann entschieden, noch einmal all meine Kraft dem Dressurreiten zu widmen“.

Zum Training nach Aachen

2003 zog er deshalb zum Trainieren nach Aachen in Deutschland um, während seine Familie in Tokio blieb. Den Wechsel vom Springreiten hin zur Dressur hatte Hiroshi Hoketsu bereits mit 42 Jahren vollzogen. Damals hatte sich seine Sehkraft verändert und er konnte Entfernungen nicht mehr richtig einschätzen. Diesen Schritt hat er bis heute nicht bereut.

„Für das Dressurreiten muss man schließlich nicht all seine physischen Kräfte einsetzen“, sagt Hoketsu, „und kann deshalb diesen Sport auch noch im fortgeschrittenen Alter ausüben. Es ist wichtig, immer wieder Anstrengungen zu unternehmen mit einem klaren Ziel vor Augen. Das hält den Geist jung. Wenn ich so handle, dann kann ich selbst jung bleiben.“

Senioren-Sportler als Idol einer alternden Gesellschaft  

Die japanischen Medien haben Hoketsu als Star einer ganzen Generation entdeckt. Japans Gesellschaft wird wie in vielen Industrieländern immer älter und muss sich nach neuen Rollenbildern umsehen. Hoketsu eignet sich da gut als Idol.

Ihm ist jedoch all der Medienrummel um sein Alter unangenehm. Er möchte lieber nach seinem Sport gefragt werden, als nach dem Geheimnis seiner Fitness mit 67 Jahren. Bei den Olympischen Spielen in Los Angeles 1984 saß er übrigens auf der Ersatzbank. Und an den Spielen 1988 in Seoul hätte er zwar regulär teilnehmen können, aber der Zustand seines Pferdes entsprach nicht den strengen Quarantänebestimmungen.

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