Telekom ließ auch ver.di-Chef Bsirske bespitzeln

Die Deutsche Telekom hat nach Darstellung der Gewerkschaft ver.di auch deren Chef Frank Bsirske bespitzelt. Es gebe gesicherte Informationen, dass auch Verbindungsdaten von Bsirske und Vorstandsmitglied Rolf Büttner ausspioniert worden seien, sagte ver.di-Vorstand Lothar Schröder. Schröder ist stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender der Telekom und ebenfalls von der Bespitzelung betroffen. Bsirske hingegen war nie Mitglied des Telekom-Aufsichtsrates. Insgesamt seien zwölf Betriebsräte in dem Konzern und zehn ihrer Mitarbeiter in den Stäben ausspioniert worden.

Die Argumentation der Telekom, man habe Lücken bei der Geheimhaltung im Aufsichtsrat stopfen wollen, greife nicht mehr, betonte Schröder. Er selbst sei bereits vor seinem Aufsichtsratsmandat ausspioniert worden. Mit Bsirske und Büttner seien weitere Personen ausgespäht worden, die keinen Zugang zu Informationen des Kontrollgremiums gehabt hätten. Es handle sich hier also nicht nur um ein „ruppiges Vorgehen“ des Arbeitgebers, sondern um eine „Verletzung von Grundrechten“ und aus der Telekom heraus um ein kriminelles Verhalten, sagte Schröder.

„Kriminelles Verhalten als Geschäftsgrundlage“

Die Gewerkschaft teilte mit, dass es sich offenbar um einen gezielten Spitzelangriff auf Gremien der betrieblichen Mitbestimmung handele. Schröder sagte, die Organisation wolle wegen der Verletzung von Persönlichkeitsrechten Strafantrag gegen den Konzern stellen. Bei der Telekom habe offenbar „kriminelles Verhalten zur Geschäftsgrundlage“ gehört. Unter anderem seien der Gesamtbetriebsratschef der Deutschen Telekom Kundenservice, Josef Bednarski, und der Vorsitzende des Konzernbetriebsrats T-Systems, Lothar Holzwarth, ausspioniert worden. Er sei skeptisch, ob tatsächlich nur Verbindungsdaten erfasst worden seien.

Nach Informationen der Bonner Staatsanwaltschaft waren insgesamt 55 Mitarbeiter des Unternehmens betroffen. Die Gewerkschaft ver.di geht sogar von 60 bis 79 Fällen aus. Auch Journalisten seien ausgespäht worden.

Staatsanwalt schreibt an Betroffene

Betroffen sind laut Staatsanwaltschaft Mitglieder der Aufsichtsräte der Deutschen Telekom und deren Tochterfirma T- Mobile, ein Vorstandsmitglied der Telekom sowie Betriebsräte und dem Konzernbereich nicht zuzuordnende Dritte.

Die Telekom hatte in den Jahren 2005 und 2006 Verbindungsdaten überprüfen lassen, um undichte Stellen im Konzern über die Weitergabe von vertraulichen Informationen zu schließen. Die Bonner Staatsanwaltschaft ermittelt unter anderem gegen den früheren Aufsichtsratsvorsitzenden Klaus Zumwinkel und den ehemaligen Vorstandsvorsitzenden Kai-Uwe Ricke. Die Behörde habe die Betroffenen angeschrieben und Gelegenheit zur Stellung eines Strafantrages gegeben.

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