Hertie muss 19 Filialen schließen

Die insolvente Warenhauskette Hertie plant tiefe Einschnitte in ihr Filialnetz und will 19 ihrer 73 deutschen Filialen schließen. Betroffen sind nach Unternehmensangaben 520 der derzeit noch rund 3400 Mitarbeiter. Die Schließungen konzentrieren sich auf Städte in Nordrhein-Westfalen. Dort sollen allein zwölf Warenhäuser geschlossen werden. Weitere Sparmaßnahmen treffen die Konzernzentrale in Essen. Nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa sollen dort 30 von 125 Stellen wegfallen.

Betriebsversammlungen an allen Standorten

Das Unternehmen informierte die Beschäftigten am Abend an allen 73 Standorten sowie in der Essener Zentrale auf Betriebsversammlungen über die Entscheidung. „Wir haben um jeden einzelnen Arbeitsplatz gekämpft und werden dies auch weiterhin tun“, sagte Insolvenzverwalter Biner Bähr. Das Unternehmen teilte mit, dass die wirtschaftliche Situation jeder Filiale genau analysiert worden sei, ehe das Maßnahmenpaket beschlossen wurde, das eine Fortführung des Unternehmens ermöglichen soll.

Hertie teilte jedoch mit, dass die Warenhauskette nur unter drei Bedingungen weiter bestehen könne. Die verbleibenden Mitarbeiter müssten einen finanziellen Beitrag leisten, bis Ende Februar müsse ein neuer Investor für die restlichen 54 Kaufhäuser gefunden werden und zugleich eine deutliche Senkung der bisherigen Mietkosten für die Filialen durchgesetzt werden. „Sollte eine Verständigung auf die Zahlung eines angemessenen Mietzinses bis Ende Februar 2009 nicht möglich sein, wäre die Schließung sämtlicher Hertie-Filialen unausweichlich“, teilte das Unternehmen mit. Überhöhte Mieten waren laut Geschäftsführer Mark Rahmann ein wesentlicher Grund für die Insolvenz der Kaufhauskonzerns.

Schwere Vorwürfe gegen Dawnay Day

Schwere Vorwürfe erhob Hertie in diesem Zusammenhang gegen den inzwischen ebenfalls insolventen Finanzinvestor Dawnay Day. Dieser sei in den vergangenen Jahren als bestimmender Gesellschafter für Geschäft und Strategie von Hertie verantwortlich gewesen. Die derzeit fehlende Bereitschaft von Dawnay Day und dessen Gläubigern, niedrigeren Mieten zuzustimmen, erschwere die laufende Suche nach einem neuen Investor. Insolvernzverwalter Bähr macht die „Blockade des Finanzinvestors Dawnay Day“ direkt für den Verlust von Arbeitsplätzen verantwortlich.

Insolvenz Ende Juli 2008

Hertie war 1993 von Karstadt übernommen und 2005 an die britische Dawnay Day Group verkauft worden. Ende Juli 2008 hatte Hertie Insolvenz angemeldet. Das Unternehmen war wegen der Finanzprobleme des Haupteigentümers Dawnay Day in Schwierigkeiten geraten. Alle Versuche, das nötige Geld zur Sanierung zu beschaffen, waren gescheitert. Trotz der Zahlungsunfähigkeit wurde das Geschäft aber seither ohne Unterbrechung fortgeführt.

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