Die Waffenruhe ist gebrochen

Erneute Kämpfe im Nahen Osten: Nach einem Sprengstoffanschlag mit einem toten Soldaten rückte die israelische Armee in den Gazastreifen ein. Bei den Feuergefechten wurde mindestens ein Palästinenser getötet. Israel erwägt nun weitere Militärschläge.

Clemens Verenkotte, ARD-Hörfunkstudio Tel Aviv

Am Nachmittag rückten israelische Panzer und Bulldozer nach Angaben palästinensischer Einwohner östlich von Chan Junis in den Gazastreifen ein. Die israelische Luftwaffe habe zuvor auf zwei Palästinenser, die auf einem Motorrad durch die Stadt gefahren seien, eine Rakete abgefeuert. Beide Männer seien schwer verletzt worden. Bei einem der Verletzten habe es sich um ein Hamas-Mitglied gehandelt, teilte später die palästinensische Extremistenorganisation mit.

Sprengstoffanschlag tötet israelischen Unteroffizier

Bereits am Vormittag hatte Israels Verteidigungsminister Ehud Barak angekündigt, die Streitkräfte würden auf den Sprengstoff-Anschlag palästinensischer Bewaffneter hart reagieren. Bei diesem Anschlag auf israelischem Gebiet, der sich um 8 Uhr Ortszeit ereignete, wurde ein israelischer Unteroffizier getötet, drei weitere Soldaten erlitten teilweise schwere Verletzungen. Ihre Patrouillefahrzeuge wurden in der Nähe des südlichen Grenzübergangs Kissufim von einem offenbar schon Wochen zuvor verlegten und am Morgen gezündeten Sprengsatz beschädigt. Israels Verteidigungsminister Barak sagte: „Das ist ein schwerer Anschlag, den man nicht akzeptieren kann. Wir werden reagieren, aber es ist nicht sinnvoll, die Reaktion zu präzisieren.“ Die Militäroperation „Gegossenes Blei“ habe der Hamas einen sehr schweren Schlag versetzt, sagte Barak vor Rekruten. Dies bedeute jedoch nicht, dass die Hamas nicht mehr länger Israels Feind sei.

Livni fordert Militäraktion

Außenminsterin Zipi Livni, im gegenwärtigen Wahlkampf als Chefin der Kadima-Partei eine der Hauptkonkurrentinnen des Verteidigungsministers, sprach sich für eine sofortige militärische Reaktion auf den Sprengstoffanschlag aus. Solange es einen Zwischenfälle an der Grenze gebe, jemand schieße oder Waffen geschmuggelt würden, müsse Israel unverzüglich antworten. Die Außenministerin betonte vor Studenten: „Israel braucht nicht gegen den Terror im Gazastreifen Zurückhaltung zu demonstrieren. Das stimmte vor der Operation und das stimmt nach der Operation.“

Hamas fordert Grenzöffnung

Für die Hamas bezichtigte deren Sprecher Fawzi Barhoum Israel, wiederholt gegen die Waffenruhe verstoßen zu haben. Diese hatten beide Seiten jeweils einseitig vor zehn Tagen erklärt. Mit Blick auf die Verhandlungen über eine dauerhaftere Waffenruhe, die derzeit unter ägyptischer Vermittlung in Kairo geführt werden, sagte der Hamas-Sprecher: „Wir werden kein Abkommen über eine Waffenruhe unterzeichnen, solange die Belagerung anhält und die Grenzen geschlossen bleiben, einschließlich des Übergangs Rafah.“ Die Waffenruhe solle eintreten, nachdem alle Grenzen geöffnet worden seien, einschließlich Rafah. Zudem müsse die Blockade beendet werden und es eine Garantie geben, „dass die zionistische Besatzung (der Hamas-Ausdruck für Israel) nicht wieder den Gazastreifen angreift“. Die Hamas werde den ägyptischen Vorschlag besprechen, der den Bedürfnissen und dem Wohl des palästinensischen Volkes entspreche.

US-Nahost-Beauftragter reist in die Region

Angriffe auf israelische Soldaten, erklärte die Hamas am späten Nachmittag seien „eine natürliche Reaktion auf die Verbrechen der Besatzer“. Am Mittwoch wird der neue Nahost-Beauftragte von US-Präsident Barak Obama, George Mitchell, in Jerusalem und Ramallah zu politischen Gesprächen erwartet.

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