Mehrere Geiseln in Naltschik befreit

Den russischen Sicherheitskräften ist es nach eigenen Angaben gelungen, den Widerstand dutzender Aufständischer im kaukasischen Naltschik zu beenden. In zwei Aktionen konnten Spezialeinheiten demnach sieben Geiseln aus einer Polizeiwache und einem Souvenirladen in der Hauptstadt der Republik Kabardino-Balkarien befreien. Mindestens acht der vermutlich aus Tschetschenien stammenden Rebellen seien dabei getötet worden, teilte der russische Staatsanwalt Wladimir Lolesnikow mit.

Aus der Region gibt es Berichte, dass der Widerstand der Rebellen andauere. Eine kleine Gruppe Aufständischer habe Geiseln genommen und sich in einem Gebäude verschanzt.

Offenbar wieder Betäubungsgas eingesetzt

Der Vater einer Geisel sagte, seine 20-jährige Tochter sei unversehrt freigekommen. Sie leide aber unter den Auswirkungen eines Gases, das bei der Befreiungsaktion eingesetzt worden sei.

Dutzende Rebellen hatten am Donnerstag Regierungsgebäude in Naltschik überfallen und sich stundenlange Gefechte mit Polizisten und Soldaten geliefert. Mindestens 85 Menschen, darunter etwa 60 der Rebellen, wurden dabei getötet. In den Krankenhäusern wurden 103 Verletzte behandelt. Das Innenministerium der Republik sprach gegenüber der russischen Agentur Interfax von 91 getöteten Rebellen. Wie viele Opfer es tatsächlich gegeben hat, ist noch unklar. Alle Informationen beziehen sich auf staatliche Angaben.

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Heute lagen immer noch Tote auf den Straßen der Stadt. Die Sicherheitskräfte verstärkten ihre Suche nach flüchtigen Aufständischen in den umliegenden Bergen. Außerhalb von Naltschik beschossen Rebellen ein Polizeiauto mit Granaten. Dabei wurden zwei Bereitschaftspolizisten getötet. Tatverdächtige: Untergrundorganisation „Jarmuk“

Ein Sprecher des Innenministeriums machte „islamistische Extremisten“ für den Überfall verantwortlich. Sie hätten versucht, in Naltschik inhaftierte Extremisten zu befreien. Der erst vor einem Monat eingesetzte Präsident von Kabardino-Balkarien, Arsen Kanokow, vermutete die Täter in den Reihen der islamistischen Untergrundorganisation „Jarmuk“.

Diese Gruppe hatte im Dezember vergangenen Jahres eine Polizeistation überfallen, vier Polizisten getötet und mehr als 250 Handfeuerwaffen erbeutet. Im Internet bekannten sich tschetschenische Rebellen auf einer Website, die auch von „Jarmuk“ benutzt wird, zu dem Angriff. Ob das Bekennerschreiben echt ist, ist noch unklar.

Putin lobt Einsatzkräfte

Russlands Präsident Wladimir Putin lobte das Vorgehen der Polizei und der Geheimdienste in Naltschik. „Dieses Mal haben alle Sicherheitskräfte gut abgestimmt, wirksam und hart gehandelt“, sagte Putin bei einem Treffen mit den Spitzen von Polizei, Geheimdienst und Armee in Moskau.

Putin hatte den russischen Sicherheitskräften befohlen, die Aufständischen „auszulöschen“. Rund 1500 Soldaten und 500 Angehörige von Spezialkräften waren nach Naltschik entsandt worden.

Mit dem zügigen Eingreifen reagierte Putin auf Kritik nach dem Geiseldrama von Beslan im vergangenen Jahr. Damals starben mehr als 330 Menschen, nachdem tschetschenische Rebellen eine Schule überfallen und besetzt hatten. Russland wurde für das späte Eingreifen heftig kritisiert.

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