Polizeischutz für Islam-Kritiker Jami

Ehsan Jami ist einer der exponiertesten Kritiker des Islam in den Niederlanden. Den strengen Islam hält er für rückständig und dumm. Vor kurzem gründete er das „Komitee der Ex-Muslime“. Noch bevor das Komitee seine Arbeit aufnahm, musste Jami in den Untergrund.

Von Christopher Plass, HR-Hörfunkstudio Brüssel

Erst 22 Jahre alt ist Ehsan Jami. Politisch aktiv ist er schon seit langem im Stadtrat von Voorburg, einer Ortschaft bei Den Haag. Dort leben besonders viele Migranten.

Der gebürtige Iraner Jami glaubte, hier etwas für die Verständigung der Kulturen tun zu können. Aber sein Name steht auch für die Gründung eines „Komitees für Ex-Muslime“: Diese Gruppierung wurde im Juni gegründet. Sie soll jenen Hilfe geben, die vom Islam abgefallen sind. Im September soll die Gruppe die Arbeit offiziell aufnehmen.

Schon drei Mal niedergeschlagen

Aber Jami hat schon am eigenen Leib zu spüren bekommen, dass er damit aneckt: „Man erwartet es nicht, dass sie da stehen und auf dich warten. Es ist zum dritten Mal passiert.“ Am vergangenen Samstag wurden der junge Mann und eine Freundin auf der Straße niedergeschlagen und getreten. Bei den Tätern soll es sich um zwei Marokkaner und einen Somalier handeln.

Ehsan und seine Unterstützer sind überzeugt davon, dass radikale Muslime es auf ihn abgesehen haben. Drohungen per E-Mail, Einschüchterungen und wie jetzt rohe Gewalt. Erst nach erheblichem öffentlichen Druck hat die Behörde für Anti-Terror-Bekämpfung beschlossen, den jungen Mann unter besondere Bewachung durch die Sicherheitsorgane zu stellen. Er ist untergetaucht.

Zu seinen Unterstützern zählt der renommierte Rechtsprofessor Afshin Ellian, selbst unter besonderem Personenschutz, weil Islam-kritisch. Ellian hatte die Behörden gedrängt, etwas für Ehsan Jami zu tun: „Ich musste dort viele Argumente vorbringen. Unter anderem, daß die Geheimdienste selbst ermittelt hatten, daß Jamis Name und Adresse auf einer islamischen Website zirkulierten.“

„Schrecklicher“ Mann Mohammed

Denn Ehsan Jami nimmt kein Blatt vor den Mund, und er sucht die Medien. Den Propheten Mohammed hat er mal öffentlich als „schrecklichen“ Mann bezeichnet und mit Osama bin Laden verglichen. Den strengen Islam hält er für rückständig und dumm.

Auch seine Freunde haben dem 22-Jährigen schon geraten, seinen Ton zu mäßigen. Seine Partei, die sozialdemokratische Partei der Arbeit, hat schon Sorge, dass sie unter den Zuwanderern Wähler verlieren könnte.

Ehsan Jami kommt aus einer Familie, die den Iran 1994 verlassen hat, Vater und Mutter waren auf Distanz zum Islam gegangen. Jetzt fühlt er sich selbst verfolgt, meldete sich jetzt telefonisch aus seinem unbekannten Versteck: „Wir haben hier in den Niederlanden eine Rechtsordnung, eine Demokratie. Da muss doch auch Meinungsfreiheit gelten. Das bezieht sich auch auf Religion. Es ist furchtbar, daß so etwas in den Niederlanden wieder vorkommt.“

Erinnerung an Hirsi Ali und Theo van Gogh

Der Fall findet große Aufmerksamkeit in den niederländischen Medien. Erinnerungen werden wach: Auch die aus Somalia stammende, Islam-kritische Parlamentsabgeordnete Ayaan Hirsi Ali musste besonders beschützt werden.

Der ausländerfeindliche Rechtspopulist Geert Wilders, ebenfalls Parlamentarier, musste eine Weile untertauchen und wird besonders beschützt. Und wie ein Trauma wirkt schließlich die Erinnerung an den Regisseur Theo van Gogh: Nach seinem Film „Submission“, der drastisch mit dem Islam ins Gericht ging, wurde van Gogh im November 2004 auf offener Straße bestialisch ermordet.

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