Zentralbank-Vize stirbt nach Attentat

Die Schüsse vom Vorabend galten nicht nur Andrej Koslow, dem Vize-Vorsitzenden der russischen Zentralbank, sondern auch seinem Bestreben, in der undurchsichtigen Bankenwelt Russlands Ordnung zu schaffen. Im Krankenhaus ist der angesehene und als unbestechlich geltende Banker nun an seinen Verletzungen gestorben.

Von Horst Kläuser, ARD-Hörfunkstudio Moskau

Er war auf dem Weg zu einem Freundschaftsspiel zwischen Bankern im Moskauer Stadion von Erstligist Spartak, als die unbekannten Schützen zuschlugen. Geschosse trafen seinen Fahrer, der sofort tot war, während Andrej Koslow, der 41-jährige Vizechef der russischen Zentralbank, erst im Krankenhaus nach einer Notoperation starb.

„Tragödie für das ganze Land“

„Seine Arbeit bei der Reinigung der russischen Banken, seine Tätigkeit beim Aufbau eines normalen zivilisierten Bankensystems gefiel offensichtlich jemandem nicht“, sagte der Leiter des Russischen Bankenverbandes, Garegin Tosunjan. „Das ist eine Tragödie sowohl für das Bankenwesen, als auch für das ganze Land.“ Alexander Priwalow, ein renommierter Politologe ergänzte: „Er war in keine Machenschaften gestrickt. So, wie er ums Leben kam, das war wohl typisch für den Anfang der 90er Jahre. Das ist ein sehr ernsthafter Schlag. Andrej Koslow war höchst professionell.“

Energisches Vorgehen gegen die ausufernde Korruption

Dazu gehörten seine harten Maßnahmen. Er entzog Dutzenden von dubiosen Banken die Lizenzen, darunter auch einst recht bekannten Geldhäusern. Außerdem ging er energisch gegen die Hintermänner des so genannten „grauen Importes“ korrupter Zollbeamter vor und erließ lebenslange Berufsverbote gegen Vorbestrafte, die im Bankenbereich arbeiten wollten. Darüber hinaus hatte Koslow den Einlagensicherheitsfond gegründet, der bei Bankkonkursen zumindest die Gelder von Privatleuten sichern hilft.

Auftragsmorde als übliches Mittel

Das Attentat auf den als honorig geltenden Andrej Koslow erinnert an die frühen 90er Jahre. Damals galten Auftragsmorde als durchaus übliches Mittel bei geschäftlichen Disputen. Hunderte von Managern und undurchsichtigen Geschäftsleuten wurden von ihren Gegnern schlicht umgebracht. Die damals fast 3000 Banken, von denen die weitaus meisten diese Bezeichnung nicht verdienten, hatten – oft im Wortsinne – ihren Kredit verspielt.

Wirtschaftskriminalität und Geldwäsche

Entsprechend zurückhaltend reagierten die Sparer, die ihr Geld lieber in bar unter dem Kopfkissen verwahrten als es russischen Banken anzuvertrauen. 1998 beim Finanzcrash hatten viele schließlich ihre gesamten Ersparnisse verloren. Auch so ist der Erfolg ausländischer Banken wie der österreichischen Raiffeisenbank oder der Citibank zu erklären. Heute gibt es noch 1200 russische Banken mit zum Teil winzigen Bilanzsummen, von denen viele nach wie vor der Wirtschaftskriminalität und Geldwäsche verdächtig werden. Dagegen hatte Koslow während seiner Amtszeit gekämpft.

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